Kliniken und Behandlungszentren
Leistungsbericht 2017

Infektiologie & Spitalhygiene
Prof. Manuel Battegay

Kennzahlen

2017 2016
Allgemeine Infektiologie (Konsilien) 4'306 3'759
Konsilien bei schwerer Immunsuppression 320 319
Ambulante Patienten HIV-Sprechstunde 639 650
Beurteilung der medizinischen Qualität als «überragend & sehr gut» (ambulante Patienten) 94.1% 94.4%
OPAT (Outpatient Parenteral Antimicrobial Therapy) 192 151
Gesamt Isolationstage 6'962 5'601
MRSA Isolationstage 1'279 849
Nosokomiale Fälle (MRSA) 4 1
ESBL Isolationstage 1'258 1'382
Publikationen 97 102

OPAT (Outpatient Parenteral Antimicrobial Therapy)

192
2017
151
2016

Allgemeine Infektiologie (Konsilien)

4'306
2017
3'759
2016

Die Klinik Infektiologie & Spitalhygiene betreut Patientinnen und Patienten mit meist schweren Infektionskrankheiten und häufig mehreren Komorbiditäten. Typische schwere Infektionskrankheiten sind Schockzustände mit einer Infektion (Sepsis), Fremdkörperinfektionen, beispielsweise von Herzklappen oder anderen eingesetzten Fremdkörpern, Infektionen nach Unfällen und Infektionen der Lunge, des Hirn- und der Hirnhäute, Haut- und Weichteile oder des Bauches. Dazu gehören auch viele Virus- oder Pilzinfektionen. Zu den Hauptaufgaben gehört das Abklären von Fieberzuständen, Bauch-, Knochen- und Gelenksinfektionen oder einer Tuberkulose. Die Breite an Infektionskrankheiten ist ausserordentlich und fast unermesslich. Die globale Reisetätigkeit und Migration haben dazu geführt, dass Patientinnen und Patienten mit (für die entsprechenden Länder) spezifischen Erregern hier betreut werden.

Zum Aufgabengebiet gehört ausserdem die Prävention der im Spital erworbenen Infektionskrankheiten. Dank den getroffenen Massnahmen konnte 2017 eine sehr tiefe Rate an im Spital übertragenen, sogenannt nosokomialen Infektionen, erreicht werden.

Highlights 2017

  • Über 4‘300 Betreuungen fanden stationär konsiliarisch, über 520 ambulant bei Patientinnen und Patienten mit akuten oder chronischen Infektionskrankheiten, statt. Die ambulante intravenöse Antibiotikatherapie (OPAT; outpatient parenteral antibiotic therapy) verkürzt dabei die Hospitalisationszeiten deutlich.
  • Die Zusammenarbeit mit der Abteilung Klinische Mikrobiologie des Universitätsspitals Basel sowie der Abteilung Infektionsdiagnostik des Instituts für Medizinische Mikrobiologie (IMM) in Basel ist essenziell.
  • Wir erforschen die Entstehung, Prozesse, Prävention und Therapie von Infektionen. Es bestehen ausgezeichnete Forschungszusammenarbeiten mit universitären Institutionen wie den Infection Biology Forschungsgruppen des Biozentrums, dem Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut (Swiss TPH) oder verschiedenen nationalen Kohortenstudien, zum Beispiel der schweizerischen Transplantationskohortenstudie (STCS) oder der schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS). Wir werden unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds und durch weitere Förderer im Gebiet der Transmission resistenter bakterieller Erreger, Influenza sowie HIV und weiterer Krankheitserreger.
  • Die App und Web-Version des infektiologischen Weissbuches wurden in Zusammenarbeit mit Jeb Sanford, dem Herausgeber des bekannten Sanford Guides, komplett überarbeitet.

Ausblick 2018

  • Infektiologische NRP72-Forschungsprojekte (unter anderem Antibiotikaresistenzen), in Kollaboration mit Prof. Tanja Stadler (ETH Zürich, Basel), dem Kantonslabor der Stadt Basel und dem Tiefbauamt Basel-Stadt.
  • Einwerbung von Forschungsgeldern im Rahmen der Swiss Public Health Network (SPHN) Initiative für ein nationales Sepsis-Projekt (Lead: Abt. Klinische Mikrobiologie).
  • Erfassung und Prävention spitalerworbener Infektionen (Unterstützung des Nationalen Zentrums für Infektprävention (www.swissnoso.ch). Erstmals werden Daten der Schweiz mit denjenigen der meisten europäischen Länder verglichen.
  • Die Händehygiene konnte dank unserer Studien bei gleicher Wirksamkeit von sechs auf drei Schritte vereinfacht werden. Wir dehnten den Zeitpunkt der Antibiotikaprophylaxe vor chirurgischen Eingriffen dank eigener Untersuchungen zusammen mit der WHO aus, ohne Nachteile für den Patienten im Hinblick auf das Risiko eines postoperativen Wundinfekts.
  • Das Universitätsspital Basel wurde vom Nationalen Zentrum für Infektprävention als führendes Pilotspital für Prävention von postoperativen Infektionen gewählt. Ebenfalls wird das Universitätsspital Basel Pilotspital für das schweizweite Antibiotic Stewardship Programm.
  • Prof. Andreas Widmer und PD Dr. Sarah Tschudin Sutter verfassten die «C. difficile infection control recommendations» für die European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases.
  • Ein HIV-Medikamenteninteraktionsprojekt, geleitet von PD Dr. Catia Marzolini, erhielt 2017 mit der Arbeit «Model-based simulation and clinical validation of drug-drug-interactions in the Swiss HIV-Cohort Study» den AbbVie Forschungspreis der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie.
  • Prof. Manuel Battegay leitete als Chair die Herausgabe der European AIDS Clinical Society (EACS) Guidelines 2017, die für 55 Länder der WHO Region Europa Geltung haben.
  • Der Themenblock Blut/Infektionen/Abwehr des ersten Masterstudienjahrs wurde von den Studierenden als bester Themenblock des Jahreskurses gewählt.
  • Seit Januar besteht eine spitalhygienische Sprechstunde für Patientinnen und Patienten mit multiresistenten Erregern. Wir starteten zwei multizentrische Studien zur Vermeidung postoperativer Infektionen.
  • HIV-Sprechstunde: Umstellung auf elektronische Krankengeschichte
  • Der Schweizerische Nationalfonds hat der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie SHCS wiederum für drei Jahre die finanzielle Unterstützung zugesagt (www.SHCS.ch).
  • Wir planen eine neue klinische Studie über T-Zelltherapie.
  • Der zweijährliche HIV/AIDS-Kongress der European AIDS Clinical Society (EACS) wird im Jahr 2019 in Basel stattfinden (www.eacs-conference2019.com).

Allgemeine Infektiologie

Die Betreuung bei stationären Patientinnen und Patienten hat mit 4‘306 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, unter anderem durch geförderte Interdisziplinarität. Die Konsilien erfolgten am häufigsten in chirurgischen Kliniken/Abteilungen, inklusive Intensivstationen (41.9%). Die häufigsten Fragestellungen waren: Bakteriämie/Sepsis (13.8%) und Weichteilinfektionen (8.6%). Bei 16.2% handelte es sich um immunsupprimierte Patientinnen und Patienten. Ambulant werden Infektionskrankheiten abgeklärt, diagnostiziert und therapiert (z.B. Tuberkulose, Knochen-/Gelenksinfektionen, sexuell übertragbare Erkrankungen, Borrelieninfektionen, Nachbetreuung von stationären Patientinnen und Patienten mit langdauernder Antibiotikatherapie, Abklärung von unklarem Fieber sowie Infektionen nach Tropenrückkehr). Die Anzahl der ambulanten Konsultationen, unter anderem durch Zuweisungen von Hausärzten (ohne HIV-Infektion), nahm 2017 auf 523 Konsultationen zu. Die Anzahl ambulanter intravenöser Antibiotikatherapien ist von 151 auf 192 Patientinnen und Patienten erneut angestiegen. Dadurch werden lange statio­näre Spitalaufenthalte verhindert. Dank der guten Zusammenarbeit mit Spitex-Institutionen können Patientinnen und Patienten ihre Antibiotika-Infusionen im eigenen häuslichen Umfeld bekommen.

Intensiviert worden ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Zentren wie dem Tumor- und Lungenzentrum, Kliniken der Chirurgie für Knocheninfekte, oder die Zusammenarbeit bei der Mitbetreuung von stammzelltransplantierten Patientinnen und Patienten.

HIV-Sprechstunde

2017 betreuten wir ambulant in der HIV-Sprechstunde 639 Patientinnen und Patienten. Der Fortschritt der HIV-Therapien wird durch eine aus Basel geführte Studie gezeigt: Von über 4‘000 Patientinnen und Patienten zeigten lediglich zwölf Patienten ein virologisches Versagen. Ein neues Konzept, um HIV-Neuinfektionen zu verhindern, ist die Prä-Expositions­prophylaxe (PrEP). Gesunden Menschen mit hohem Risikoverhalten wird eine HIV-Prophylaxe-Therapie gegeben. Diese Möglichkeit wird neuerdings am Universitätsspital Basel sowie bei praktizierenden Kolleginnen und Kollegen angeboten. Eine enge Zusammenarbeit besteht im Bereich HIV mit der Chronic Diseases Clinic in Ifakara, Tansania. Damit betreuen wir auch dort mit tansanischen Kolleginnen und Kollegen die Patientinnen und Patienten optimal.  Die «One-Stop Clinic» ermöglicht Frauen, die gesamte Gesundheitsversorgung an einem Ort zu beziehen, was zu einer drastischen Reduktion der HIV-Übertragungen von schwangeren, HIV-infizierten Frauen auf ihre Kinder führte.

Spitalhygiene

Infektionskrankheiten beeinflussen die Gesundheit unserer Gesellschaft in vielen Bereichen: Antibiotikaresistenzen erschweren bisher einfache, günstige und lebensrettende Therapien von Infektionskrankheiten. Zusammen mit den Behörden von Bund und Kanton ist das Universitätsspital Basel führend dieser Entwicklung entgegenzutreten. Beispielsweise gab es fast keine Infektionen mit multiresistenten Erregern, die Patientinnen und Patienten am Unispital Basel erworben haben. Die Aufwendungen steigen mit repatriierten Patientinnen und Patienten, Reiserückkehrern und Migranten, die vom Ausland in die Schweiz einreisen und Träger solcher Erreger sein können. Leider bleibt bei allen medizinischen Massnahmen ein kleines Risiko einer spitalerworbenen Infektion. Dieses Risiko ist aber am Unispital Basel mit diesem Massnahmenbündel nochmals geringer geworden. Entscheidend hat unsere Klinik mit PD Dr. Sarah Tschudin Sutter und Prof. Andreas Widmer zum neuen Konzept der WHO zur Händehygiene in drei Schritten beigetragen. 2017 wurde auch die sogenannte «Antibiotic Stewardship», die rationale und optimierte Antibiotikatherapie am Unispital Basel, erweitert (www.swissnoso.ch).

Infection Biology Laboratory

Der Fokus des Infection Biology Labors, Leitung Prof. Nina Khanna Gremmelmaier, liegt in der Erforschung der Wechselwirkung des Immunsystems auf Krankheitserreger bei immunkompetenten und immunsupprimierten Patientinnen und Patienten. 2017 gelang es mit dem Departement Biozentrum, die Art, wie weisse Blutzellen wirken, zu erforschen. Das Enzym Myeloperoxidase, gebildet in weissen Blutzellen, stellt eine aggressive Säure her. Diese löchert die Bakterienhülle und tötet das Bakterium ab, ohne dabei das umgebende Gewebe zu schädigen. Dies sind Ansatzpunkte für Therapien zur Stärkung der Immunabwehr («Myeloperoxidase targets oxidative host attacks to Salmonella and prevents collateral tissue damage», Nature Microbiology 2, 2017).

Applied Microbiology Research

Die Forschungsgruppe Applied Microbiology Research, Leitung PD Dr. Dr. Adrian Egli, erforscht die Transmission von Erregern. Diverse Erreger dienen als Modell: z.B. Influenza, Legionella pneumophila, Methicillin resistente Staphylococcus aureus, Clostridium difficile. Dazu werden Techniken wie Whole Genome Sequencing, RNA-Seq, Metabolic Profiling und Immune Phenotyping verwendet. Zusammenarbeiten finden unter anderen mit der ETH Zürich, dem Departement Biozentrum und der Humangeographie der Universität Basel statt. Im 2017 ist die Gründung des Personalized Health Basel Clusters zu Infectiology hervorzuheben, die zu einer er­folg­rei­chen schweizweiten Eingabe bei SPHN/PHRT zu Sepsis führte (2018-2020, Hauptantragsteller: A. Egli/K. Borgwardt).

Forschungsgruppe Transmission multiresistenter Bakterien

Die klinische Forschungsgruppe Transmission multiresistenter Bakterien, Leitung PD Dr. Sarah Tschudin Sutter, analysiert ebenfalls Übertragungen, die Epidemiologie von Clostridium difficile (als einer der wichtigsten im Spital erworbenen Erreger) und Präventionsmassnahmen zur Reduktion von Spitalinfektionen. 2017 ist ein vom nationalen Forschungsprogramm Antimikrobielle Resistenz (NRP72) finanziertes Projekt über resistente Keime, in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, dem kantonalen Labor der Stadt Basel und dem Tiefbauamt Basel-Stadt, erfolgreich angelaufen. 

Forschungsgruppe Pharmakologische HIV Forschung

Die Forschungsgruppe Pharmakologische HIV Forschung, Leitung PD Dr. Catia Marzolini, entwickelt pharmakokinetische Modelle, um HIV-Medikamente und zusätzlich eingenommene Medikamente optimal aufeinander abzustimmen. Dies ist vor allem bei alternden Patientinnen und Patienten wichtig, um Über- oder Unterdosierungen wegen Medikamenteninteraktionen zu reduzieren.

Sekretariat/Administration

Die Administration (Chefarztsekretariat, Kliniksekretariat, Abteilungssekretariat) und das Klinikmanagement/-controlling der Infektiologie & Spitalhygiene, geleitet von Stefanie Bersacola, unterstützen die Klinikleitung in sämtlichen administrativen Belangen und stellen sicher, dass alle Arten von Anfragen und Informationen mit Implikationen auf die Administration korrekt und speditiv erledigt, respektive umgesetzt werden. Dazu gehören unter anderem auch die von der Bereichsleitung Medizin definierten Aufträge an das Klinikmanagement/-controlling. Wichtigste Themen in 2017 waren: Das Optimieren der administrativen Prozesse bei der Betreuung hämatologischer und Privat-Patienten, eine Pilotphase für Spracherkennungssoftware, die Koordination und administrative Vor- und Nachbereitung des Themenblock Blut/Infektionen/Abwehr (1. Masterstudienjahr), die Planung des Nordwestschweizer Infektiologie & Spitalhygiene Sympo­siums, organisiert vom Gesamt­se­kre­ta­riat und die Neueinführung des internen Klinikcontrollings.

Ausgewählte Publikationen

  • Bartels H, Decosterd L, Battegay M, Marzolini C; Darunavir concentrations in CSF of HIV-infected individuals when boosted with cobicistat versus ritonavir. J Antimicrob Chemother. 2017 Sep 1; 72(9):2574-2577. doi: 10.1093/jac/dkx165.
  • Bloch-Infanger C, Bättig V, Kremo J, Widmer AF, Egli A, Bingisser R, Battegay M, Erb S; Increasing prevalence of infectious diseases in asylum seekers at a tertiary care hospital in Switzerland. PLoS One. 2017 Jun 15;12(6):e0179537. doi: 10.1371/journal.pone.0179537. eCollection 2017.0.
  • Cesaro S, Dalianis T, Hanssen Rinaldo C, Koskenvuo M, Pegoraro A, Einsele H, Cordonnier C, Hirsch HH, Group E-; ECIL guidelines for the prevention, diagnosis and treatment of BK polyomavirus-associated haemorrhagic cystitis in haematopoietic stem cell transplant recipients. J Antimicrob Chemother 2018, 73(1):12-21.
  • Schürmann N, Forrer P, Casse O, Li J, Felmy B, Burgener AV, Ehrenfeuchter N, Hardt WD, Recher M, Hess C, Tschan-Plessl A, Khanna N, Bumann D. Myeloperoxidase targets oxidative host attacks to pathogens and prevents collateral tissue damage. Nat Microbiol. 2017 Jan 23;2:16268.
  • Widmer AF, Frei R, Erb S, Stranden A, Kuijper EJ, Knetsch CW, Tschudin-Sutter S. Transmissibility of Clostridium difficile Without Contact Isolation: Results From a Prospective Observational Study With 451 Patients. Clin Infect Dis 2017;64:393-400.