Kliniken und Behandlungszentren
Leistungsbericht 2017

Psychosomatik
Prof. Rainer Schäfert

Kennzahlen

2017 2016
Stationäre Patienten (Fälle) 1'358 1'212
Stationäre Patienten (Kontakte) 3'425 2'984
Ambulante Patienten (Fälle) 1'201 1'280
Ambulante Patienten (Kontakte) 5'059 4'506
Gesamtzahl Patienten (Kontakte) 8'484 7'409
Tarmedpunkte (teilstationär & ambulant) 925'000 849'000
Beurteilung der medizinischen Qualität als «ausgezeichnet & gut» (ambulante Patientinnen und Patienten) 90% 86&

Bemerkung: Im Rahmen einer Neukonzeption des Reportings wurden die ambulanten Kennzahlen zentral ermittelt. Sie können nicht mehr in jedem Fall 1:1 mit Kennzahlen verglichen werden, die vor diesem Wechsel gezogen wurden. Wie im Vorjahr sind bei der Zahl der Patientinnen und Patienten auch die der Medizinischen Kommunikation und der Palliativmedizin miteingeschlossen.

Stationäre Patientinnen und Patienten

1'358
2017
1'212
2016

Highlights 2017

Fallentwicklung

  • Die Zahlen zur Fallentwicklung konnten trotz offener Arztstellen dank höchstem Engagement des Teams in der Ambulanz bezüglich der Fälle weitgehend stabil gehalten, bezüglich der Kontakte sogar deutlich gesteigert werden Das heisst, es erfolgten ambulant mehr Kontakte pro Fall (2017: 4,2; 2016: 3,5); im stationären Konsil-/ Liaison-Bereich konnte die Zahl der Fälle und noch mehr der Kontakte gesteigert werden; die Zahl der Kontakte pro Fall blieb hier weitestgehend konstant (2017: 2,5; 2016: 2,5).

Organisatorische/Personelle Entwicklung

  • Mit dem 31. Januar 2017 wurde Prof. Alexander Kiss als Chefarzt der Psychosomatik emeritiert. Am 1. Februar 2017 trat Prof. Rainer Schäfert seine Nachfolge an.
  • Mit dem Leiterwechsel in der Klinik waren auch personelle Veränderungen verbunden: Zum 1. Mai 2017 konnte Prof. Dr. rer. nat. Gunther Meinlschmidt als Forschungsleiter der Klinik gewonnen werden.
  • Zum 1. November 2017 wurde Dr. Alexander Frick zum Kaderarzt der Klinik befördert.
  • Das Sekretariat konnte durch Doris Scheuble (40%) ab 1. Mai 2017 auf eine Vollbesetzung aufgestockt werden und ist jetzt bis auf Freitagnachmittag ausserhalb von Urlaubszeiten immer besetzt.
  • Zum 15. September 2017 fing Dr. Elisabeth Fischer neu als Assistenzärztin in der Klinik für Psychosomatik an.
  • Marianne Chevillat und Anja Waldmeier wurden als neue Psychologinnen eingestellt.
  • Personelle Veränderungen in der Medizinischen Kommunikation: Zum 1.Januar 2017 konnten Dr. rer. nat. Martina Gamp, per 1. April 2017 Theresa Tondorf, MSc als Postdoc, und per 1. November 2017 Seraina Hochstrasser, med. pract. als Doktorandin gewonnen werden.

Klinische Versorgung

  • Der Versorgungsschwerpunkt Psychoonkologie wurde mit Fokus auf eine enge Liaison- und Konsultationstätigkeit mit den jeweiligen Disziplinen und dem Tumorzentrum weiter gefestigt.
  • Mit Marianne Chevillat wurde die psychosoziale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schwerer Adipositas im Kontext bariatrischer Chirurgie weiterentwickelt.
  • Mit Anja Waldmeier begann der Aufbau einer psychoonkologischen/psychosomatischen Mitversorgung in der Dermatologie.
  • Mit dem Aufbau eines ambulanten Angebots für Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom und anderen funktionellen gastrointestinalen Störungen (unter anderem bauchgerichtete Hypnotherapie) wurde begonnen und eine entsprechende interdisziplinäre Vernetzung (Gastroenterologie, Ernährungsberatung, Allergologie, Physiotherapie, Niedergelassene) etabliert.
  • Ausbau von Versorgung und Behandlungsangebot im Bereich der Psychokardiologie: Im Zentrum für Kardiologische Prävention am Bethesda-Spital wurde eine psychokardiologische Sprechstunde eingerichtet; vertiefte Zusammenarbeit mit der Herzchirurgie für Patientinnen und Patienten nach einer Aortendissektion.
  • Aufbau einer neuen «Post-ICU» Sprechstunde.

Strukturentwicklung

  • Im Auftrag des Gesundheitsdepartments Basel–Stadt wurde ein Diskussionspapier zur Prüfung von Versorgungsoptionen für Patientinnen mit schwereren Essstörungen unter Beteiligung des Universitätsspitals Basel erarbeitet; hierfür soll im Kontext der Spitalgruppe ein konkretes Versorgungsmodell entwickelt werden.
  • Der Aufbau einer digitalen psychosozialen Basisdokumentation (PsyBaDo) wurde in enger Kooperation mit dem Ressort Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) weit vorangetrieben (Kickoff Meeting am 25. August 2017), eine Projektgruppe eingesetzt und das Projekt mit der Tablet-gestützten Implementierung von ICHOM (International Consortium for Health Outcomes Measurement)-Standards am Unispital Basel verbunden.

Forschung

  • Die Forschung wurde zusammen mit dem neuen Forschungsleiter Prof. Gunther Meinlschmidt intensiviert. Wissenschaftliche Kooperationen mit lokalen Partnern, nationalen und internationalen Forschungsgruppen wurden aufgebaut.
  • In der Medizinischen Kommunikation liefen zwei grössere Studien: Die observationelle «Communicate Studie», welche prospektiv die Auswirkungen der Kommunikation mit Angehörigen von Patientinnen und Patienten nach Reanimation auf Gesundheitsfaktoren untersucht, wurde fortgeführt; eine randomisiert-kontrollierte, multizentrischen Kommunikationsstudie zum Vergleich Patienten-Vorstellung am Bett oder vor dem Zimmer im Unispital Basel und im Kantonsspital Aarau wurde begonnen.
  • In einem Simulator-Forschungsprojekt wurden wichtige Genderunterschiede gefunden: Medizin-Studierende beginnen in einer Notfallsituation später mit der Reanimation und machen weniger Führungsaussagen als ihre männlichen Kommilitonen. Dies stiess auf grosses Medieninteresse (siehe auch Telebasel-Beitrag).
  • Verschiedene wissenschaftliche Publikationen wurden in internationalen Fachzeitschriften publiziert (siehe «Ausgewählte Publikationen») beziehungsweise vorbereitet und vorangetrieben.
  • Mehrere Doktoranden und Doktorandinnen (Simon Amacher, Cyril Isenschmid, Jeanice Kalt, Lucas Tramer) und Masterstudierende (Eliane Hänggi, Nina Loretz, Benjamin Lüthi, Rosie Rashia, Tanja Lüscher, Jonas Müller) der Medizin haben 2017 in der Medizinischen Kommunikation ihre Arbeiten fertiggestellt. Diese werden nun als Paper in wissenschaftlichen peer-reviewed Journals veröffentlicht.
  • Neue Drittmittelanträge wurden erfolgreich eingeworben: Ein Projekt gefördert durch die Kresbliga Schweiz (CHF 188'500) mit dem Titel: «A clinical trial of group-based body psychotherapy to improve bodily disturbances in posttreatment cancer patients, in combination with randomized controlled smartphone-triggered bodily interventions» sowie ein Projekt gefördert durch die Stanley Thomas Johnson Stiftung & Gottfried und Julia Bangerter-Rhyner-Stiftung (CHF 50'000) mit dem Titel: «A Personalized Approach to Foster Dignity by a Palliative Consultation Service in Swiss Acute Hospital Care». Auch die Medizinische Kommunikation konnte erfolgreich Forschungsmittel (CHF 80'000) bei der Julia Bangerter-Rhyner-Stiftung zur Weiterführung der «Communicate Studie» (vergleichbar oben) einwerben.
  • Zwei Mitarbeitende der Klinik haben einen Platz im Carus-Qualifizierungsprogramm für Klinische Forschung der deutschsprachigen Psychosomatik erhalten.

Lehre und Fortbildung

  • Das longitudinale Curriculum Psychosomatische Medizin und Medizinische Kommunikation im Medizinstudium wurde fortgeführt und weiterentwickelt; zusätzliche Vorlesungsinhalte wurden eingebaut (zum Beispiel Anamnese; Patientenvorstellung, Clinical Reasoning, Patient Empowerment zusammen mit Patientenvertretern).
  • Kommunikationskurse und regelmässige Visitenbegleitungen für Assistenzärzte und Assistenzärtinnen der Inneren Medizin und der Neurologie im Unispital Basel; Balintgruppe für die Medizinische Poliklinik.
  • Die Dienstagmittag-Fortbildung als Diskurs-Plattform mit internen und niedergelassenen Partnerinnen und Partnern wurde und wird erfolgreich fortgeführt.

Leitlinienarbeit

  • Im Rahmen des wissenschaftlichen Beirats der Schweizerischen Akademie für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM) erfolgte eine Beteiligung an der Erarbeitung von Leitlinien Psychosomatische Medizin zur Begutachtung somatoform-funktioneller Schmerzstörungen (ICD-10), respektive chronischer Primärschmerzen (ICD-11 draft) sowie analoger funktioneller Körpersymptomstörungen.
  • Weiterhin erfolgte eine Beteiligung an den aktuellen Überarbeitungen der Leitlinien zu funktionellen Körperbeschwerden (Prof. Rainer Schäfert ist Mitglied der Steuerungsgruppe) sowie zur Konsiliar/Liaison-Versorgung für Patientinnen und Patienten mit psychischen/psychosomatischen Störungen oder Belastungen im Spital (CL-Leitlinie).

Ausblick 2018

Organisatorische/ Personelle Entwicklung

  • Ab 1. Januar 2018 wurde Dr. Roger Moser-Starck zum Stv. Oberarzt befördert.

  • Besetzung der noch offenen Stelle im ärztlichen Bereich

  • Die leitende Psychologin Dr. phil. Brigitta Woessmer wird zum 31. Juli 2018 in den Ruhestand treten; ein Symposium zu ihrem Abschied ist in Vorbereitung. Nachfolgerin ist Frau Dr. phil. Diana Zwahlen.

  • Die MBSR-Trainerin Ingeborg Moesching tritt am 31. Juli 2018 in den Ruhestand; eine Fortführung der MBSR-Kurse sowohl für MS-Patientinnen, wie auch als allgemeines Angebot, ist geplant.

Strukturentwicklung:

  • Im Rahmen des Leiterwechsels wurde das Gesuch um Re-Evaluation als Weiterbildungsstätte für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie, Kategorie D2-CL (zwei Jahre) sowie Psychiatrie und Psychotherapie, Kategorie C (zwei Jahre) ambulant eingegeben; der Reevaluationsprozess läuft.
  • Die Klinik für Psychosomatik am Unispital Basel soll in das Basler Regionalnetz Weiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie integriert und Weiterbildungsstätte (WBS) der Schweizerischen Akademie für Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM) werden.
  • Mit dem Aufbau von ambulantem Biofeedback unter Nutzung von wearables wurde begonnen; dieses Angebot soll in 2018 implementiert und mit Forschungsfragen verbunden werden.
  • Im Kontext der neuer Organisations- und Versorgungsmodelle für die Spitalgruppe sollen psychosomatisch-psychoonkologische Versorgungsoptionen im Konsil-/Liaisonbereich, wie auch für den teilstationären (Psychosomatische Tagesklinik) und vollstationären Bereich (Angebot für Patientinnen mit schwereren Essstörungen) in die Entwicklung eingebracht werden.
  • Bezüglich Medical Humanities ist geplant, dass Prof. Rainer Schäfert sie ab Herbst 2018 von Prof. Kiss übernimmt, sofern die Finanzierung gesichert werden kann.

Forschung

  • Das Team der Forschenden wird wachsen, die Forschungskultur der Klinik soll weiter ausgebaut werden; Ausbau der multizentrischen Kommunikationsstudie (Kommunikation auf der Chefarzt-Visite) im Unispital Basel (Innere Medizin), Kantonsspital Aarau, geplant Kantonsspital Liestal; es starten die bewilligten Forschungsprojekte; weitere Projektanträge wurden bereits eingereicht.

Lehre

  • Weiterer Ausbau und Vertiefung des Clinical Reasoning mit kommunikativen Aspekten in Zusammenarbeit mit der Inneren Medizin als Bestandteil des longitudinalen psychosozialen Curriculums. Neue Einbettung verschiedener Bereiche der Kommunikationslehre ins e-learning System (zum Beispiel im Bereich «Überbringen von schlechten Nachrichten»); weiteres Angebot der Kommunikationsschulung für Aus- und Weiterbildung verschiedener Medizinischer Fächer/Bereiche.

Ausgewählte Publikationen

  • Amacher SA, Schumacher C, Legeret C, Tschan F, Semmer NK, Marsch S, Hunziker S. Influence of Gender on the Performance of Cardiopulmonary Rescue Teams: A Randomized, Prospective Simulator Study. Crit Care Med. 2017;45(7):1184-91. Epub 2017/06/18.
  • Grossert A, Meinlschmidt G, Schaefert R. A case series report of cancer patients undergoing group body psychotherapy. F1000Res 6: 1646, 2017.
  • Kiss A, Steiner C, Grossman P, Langewitz W, Tschudi P, Kiessling C. Students' satisfaction with general practitioners' feedback to their reflective writing: a randomized controlled trial. Can Med Educ J. 2017 Dec 15;8(4):e54-e59. eCollection 2017 Dec.
  • Sleptsova M, Weber H, Schöpf AC, Nübling M, Morina N, Hofer G, Langewitz W. Using interpreters in medical consultations: What is said and what is translated – A descriptive analysis using RIAS. Patient Educ Couns. 2017 Sep;100(9):1667-1671. doi: 10.1016/j.pec.2017.03.023. Epub 2017 Mar 19.
  • Zwahlen D, Tondorf T, Rothschild S, Koller MT, Rochlitz C, Kiss A. Understanding why cancer patients accept or turn down psycho-oncological support: a prospective observational study including patients' and clinicians' perspectives on communication about distress. BMC Cancer. 2017 May 30;17(1):385. doi: 10.1186/s12885-017-3362-x.