Kliniken und Behandlungszentren
Leistungsbericht 2018

EbIM,Evidence-based Insurance Medicine, Forschung & Bildung
Prof. Regina Kunz

Highlights 2018

Forschung

  • Spinoza Vorlesung an der Universität Amsterdam: Im Rahmen ihrer Auszeichnung mit dem angesehenen Spinoza Chair 2018 der Universität Amsterdam verbrachte Prof. Regina Kunz im Oktober eine Woche am Amsterdam Medical Center, AMC, im wissenschaftlichen Austausch mit Studierenden und Kollegen aus Forschung und Versorgung. Die Auszeichnung als Inhaberin des Spinoza-Lehrstuhls wird jährlich an zwei herausragende Forschende aus den Fachbereichen Medizin und Philosophie verliehen.
  • Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen: Zum vierten Mal in Folge erhielt die Internistin und klinische Epidemiologin 2018 den Titel «Highly Cited Researcher», unter anderem für ihre methodischen Publikationen zur internationalen GRADE-Methodik der Leitlinienentwicklung. Der Titel wird von Thomson Reuters (Web of Science) an die rund 3’000 meist zitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 22 Fachgebieten verliehen.
  • Opioidbehandlung bei chronischen nichttumorbedingten Schmerzen eine Sackgasse? Chronische, nichttumorbedingte Schmerzen sind verbreitet und können zu Arbeitsunfähigkeit und Invalidität führen. Um Klarheit über die besondere Rolle von Opioiden im Vergleich zu Placebo beziehungsweise anderen Schmerzmitteln zu schaffen, beteiligte sich die Forschungsgruppe EbIM an einem internationalen systematischen Review (JAMA 2018;320:2448) unter Leitung von Prof. Jason Busse, McMaster University und kanadischer Ko-Direktor von Cochrane Insurance Medicine, CIM. Nach Auswertung von 96 meist hochwertigen randomisierten Studien zeigte sich, dass Opioide im Vergleich zu Placebo Schmerzen zwar «statistisch signifikant» reduzierten, der von Patienten erlebte Effekt jedoch minimal war.
  • Core Outcome Set for Work Participation, ein internationales Forschungsprojekt von Cochrane Insurance Medicine: Welche Endpunkte sollen alle Studien zu Work Participation (Teilhabe an der Arbeit) messen, damit die Studienergebnisse vergleichbar werden? Das internationale Forscherprojekt «Core Outcome Set for Work Participation, COS-WP» unter Leitung von Prof. J. Hoving, AMC, CIM Ko-Direktor und in Zusammenarbeit mit EbIM entwickelt dazu international akzeptierte Studienendpunkte und deren Messung (www.comet-initiative.org)
  • EBM in der Versicherungsmedizin. Die niederländische Invalidenversicherung UWV und AMC feierten im April 2018 mit einem speziellen Symposium (Gastreferentin Prof. Kunz) das 10-Jahre-Jubiläum «EBM in der Versicherungsmedizin». Die systematische Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte in den Konzepten der evidenzbasierten Medizin hat sich in der versicherungsmedizinischen Praxis als ein wichtiges Instrument für eine strukturierte Entscheidungsfindung bewährt.

Bildung

  • Masterstudierende in der (Versicherungs-)Medizin: Im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Schnittstelle HNO und Versicherungsmedizin haben zwei Medizinstudentinnen in struktierten Interviews mit 100 Patienten erfahren, wie akuter oder akut-auf-chronischer Schwindel den beruflichen wie sozialen Alltag beeinträchtigen kann. Die vielen Geschichten, wie unterschiedlich Patientinnen und Patienten trotz gleicher Symptome beeinträchtigt und ihr Alltag mehr oder weniger beeinflusst wurden, werden ihre weitere Laufbahn als praktizierende Ärztinnen prägen.
  • BILDUNG GROSS GESCHRIEBEN: Zum 4. Mal hat EbIM das einwöchige Modul «Evidenzbasierte Versicherungsmedizin» im Rahmen des internationalen postgradualen MAS Insurance Medicine am Swiss TPH/Uni Basel angeboten, mit Kernthemen wie dem Critical Appraisal von Studien und systematischen Reviews, der Cochrane Collaboration, Leitlinien in der Begutachtung, Health Technology Assessment und Reflektionen zur Qualität in der Begutachtung.

Praxis

  • Meet-The-Expert bei der MedArt: Zum 5. Mal haben wir Prof. A. Zeller, Institut für Hausarztmedizin, Universität Basel, Dr. Ph. Macherel, Regionalärztlicher Dienst Beider Basel der IV, und das EbIM – mit den Teilnehmenden die Frage untersucht, welche Rolle der Hausarzt bei der IV-Anmeldung seiner Patientinnen und Patienten hat, wenn diese «nicht mehr können». Hausärzte kennen die Probleme, aber nicht immer die Lösungen. Daher arbeiteten wir uns Schritte für Schritt durch die IV-Anmeldung, unterstützt durch die praxisbezogenen Fragen der Teilnehmenden. Und diese zeigten sich zufrieden.
  • Vorsitz des Kranken- und Unfallfonds der Universität Basel. Schon länger Mitglied des Kranken- und Unfallfonds der Universität Basel, wurde Prof. Kunz im Herbst 2018 zu dessen Vorsitzenden ernannt. Der Kranken- und Unfallfonds unterstützt Studierende, die – eingeschränkt durch Krankheit oder Unfall – an ihre finanziellen Grenzen kommen und Schwierigkeiten haben, trotz guter Qualifikation ihr Studium abzuschliessen. Hier greift der Kranken- und Unfallfonds mit verschiedenen Fördermöglichkeiten unterstützend ein und ermöglicht den Studierenden Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Abschluss des Studiums.

Ausblick 2019

EUMASS Congress 2020 in Basel: Zusammen mit der Swiss Insurance Medicine (SIM) ist es Professor Kunz und ihrem EbIM Team gelungen, den Europäischen Kongress für (Sozial-) Versicherungsmedizin, EUMASS, für 2020 nach Basel zu holen. Der Kongress gilt mit über 700 Teilnehmenden aus 25 Ländern als Impulsgeber für neue, sich entwickelnde medizinische Versorgungsthemen in der sozialen Sicherheit und damit als wichtigster europäischer Kongress in der Versicherungsmedizin.

Basler Versichertenfragebogen zur Begutachtung: Um einen zielgruppengerechten Einsatz in der sozialen Versorgung zu gewährleisten, führt das EbIM mit einer Normierungsstudie den letzten und abschliessenden Schritt des validierten Basler Patientenfragebogens zur Begutachtung durch. Damit erhalten versicherte Patientinnen und Patienten eine Stimme und Institutionen ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung. Nach Abschluss unseres mehrjährigen Programms zur Konsistenz von psychiatrischen Gutachten über die Arbeitsfähigkeit von Antragstellern für eine IV‐Berentung, RELY, planen wir die Durchführung weiterer Studien zu versicherungsmedizinisch relevanten Gesundheitsthemen.    

Ausgewählte Publikationen

Busse JW, Wang L, Kamaleldin M, Craigie S, Kunz R, Sun X, Buckley N, Sessler DI, Guyatt GH et al. Opioids for Chronic Noncancer Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA. 2018 Dec; 320(23):2448-2460. doi: 10.1001/jama.2018.18472.

Schünemann HJ, Cuello C, Akl EA, Mustafa RA, Meerpohl JJ, Thayer K, Morgan RL, Gartlehner G, Kunz R, Katikireddi SV, Sterne J, Higgins JP, Guyatt G; GRADE Working Group. GRADE guidelines: 18. How ROBINS-I and other tools to assess risk of bias in nonrandomized studies should be used to rate the certainty of a body of evidence. J Clin Epidemiol. 2018 Feb.; pii: 0895-4356(17):31031-4. doi: 10.1016/j.jclinepi.2018.01.012.

Nath S, Koziarz A, Badhiwala JH, Alhazzani W, Jaeschke R, Sharma S, Banfield L, Shoamanesh A, Singh S, Nassiri F, Oczkowski W, Belley-Côté E, Truant R, Reddy K, Meade MO, Farrokhyar F, Bala MM, Alshamsi F, Krag M, Etxeandia-Ikobaltzeta I, Kunz R, Nishida O, Matouk C, Selim M, Rhodes A, Hawryluk G, Almenawer SA. Atraumatic versus conventional lumbar puncture needles: a systematic review and meta-analysis. Lancet. 2018 April; 391(10126): 1197-1204. doi: 10.1016/S0140-6736(17)32451-0.

de Boer W, Brage S, Kunz R. Insurance medicine in clinical epidemiological terms: A concept paper for discussion. TBV – J Occup Insur Med (Tijdschrift voor Bedrijfs-en Verzekeringsgeneeskunde). 2018 Feb;26(2):97-9.

Mittag O, Kotkas T, Reese C, Kampling H, Groskreutz H, de Boer W, Welti F. Intervention policies and social security in case of reduced working capacity in the Netherlands, Finland and Germany: a comparative analysis. Int J Public Health. 2018 June;63(9), 1081-1088,  doi: 10.1007/s00038-018-1133-3.