Kliniken und Behandlungszentren
Leistungsbericht 2018

Qualitätsmanagement
Dr. Florian Rüter (ab 1. Juli 2018)

Ziel des medizinischen Qualitätsmanagements ist die qualitativ optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten am Universitätsspital Basel. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden aus der Strategie 2020 des USB folgende Kernaufgaben des medizinischen Qualitätsmanagements abgeleitet:

  • Behandlungsprozesse und Dienstleitungen verbessern Kontinuierliche Verbesserung strukturiert implementieren
  • Behandlungsqualität transparent und steuerbar machen
    Qualitäts-Scorecard als Steuerungsinstrument etablieren
  • Value Based Health Care (VBHC)
    Patientennutzen als Qualitätsmerkmal generieren
    Transparenz und Entscheidungsgrundlagen zugunsten einer patientenorientierten, wertebasierten Gesundheitsversorgung (z.B. unnötige Interventionen vermeiden)
  • Patient Reported Outcome Measures («PROMs»)
    Behandlungsqualität auf Patientensicht fokussieren

Highlights 2018

Im Berichtsjahr standen folgende Aktivitäten im Fokus:
 

  • Value Based Health Care (VBHC)

    Kontinuierlich steigende Gesundheitskosten bei gleichzeitig erheblicher Variabilität von Qualität, Über- oder Unterversorgung machen ein Umdenken evident. Eine konsequente Patientenorientierung zeigt neue Wege auf, die Behandlungsqualität zu steigern und gleichzeitig die Kostenseite durch grösstmögliche Transparenz nicht zu vernachlässigen. Zur Messung und Steuerung der Behandlungsqualität führen wir mit den «PROMs» eine international standardisierte Messmetrik für verschiedene Krankheitsbilder ein, in denen die für den Patienten entscheidenden Parameter für Lebensqualität im Vordergrund stehen. Ein weiterer Schritt ist die Schaffung von Behandlungszentren, in denen die für Diagnostik und Therapie wesentlichen Professionen und Disziplinen gemeinsam mit und für den einzelnen Patienten den optimalen Behandlungspfad festlegen (zum Beispiel Tumorzentrum, Bauchzentrum, Herzzentrum).

    Ziel ist es, den Patientennutzen als wesentlichen Wert der Behandlungsqualität in den Fokus zu stellen. Das Universitätsspital Basel ist mit diesem Ansatz, basierend auf den von Michael Porter entwickelten Ideen und Ansätzen des «Value Based Health Care» – national und international beachtet und ein Vorreiter, um das Gesundheitssystem von einer («fehl-incentivierten») Volumen-basierten zu einer Werte-basierten Medizin zu bewegen.

    Patient Reported Outcome Measures (PROMs)
    Wir wollen wissen, wie Patientinnen und Patienten ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensqualität nach einer Behandlung am Universitätsspital Basel beurteilen. Zu diesem Zweck werden PROMs systematisch und kontinuierlich erfasst. Hierfür werden definierte Standard-Sets des International Consortium for Health Outcomes Measurement (ICHOM) in die klinikspezifischen Behandlungspfade integriert. Nach dem Start mit zwei Pilotkliniken im Jahr 2017 wurde das Projekt 2018 mit fünf weiteren Kliniken fortgeführt. Inzwischen sind für folgende Krankheitsbilder am Universitätsspital Basel PROMs implementiert: Brustkrebs, Hüftarthrose, Koronare Herzkrankheit, Angst und Depression, Schlaganfall, Lokalisiertes Prostatakarzinom. Patientinnen und Patienten werden zu ihrem subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustand und ihrer Lebensqualität digital befragt. Die Ergebnisse stehen dem Behandlungsteam sofort und auf einen Blick zur Verfügung und können in der Sprechstunde mit der Patientin oder dem Patienten besprochen werden.

  • EFQM – European Foundation for Quality Management (www.efqm.ch)
    2018 hat das Universitätsspitals Basel anhand des Excellence Modells drei Projekte umgesetzt mit dem Ziel im ersten Quartal 2019 die EFQM Validierung C2E* zu erlangen. Die Projekte sind «Roll-Out ICHOM», «Weiterentwicklung des Strategie-Cockpits» und «Einführung eines systematischen Absenzenmanagement». Die drei Projekte wurden übergeordnet durch eine Programmleitung, welche durch die Spitalleitung ernannt wurde, begleitet. Diese Vorgehensweise und das Commitment der Spitalleitung führten zum Erfolg der Projekte in der vorgegebenen Zeit und die dafür gesprochenen Ressourcen. Die definierten Projektziele der drei Projekte wurden alle erreicht.

  • Qualitätsindikatoren und Qualitäts-Scorecard
    Qualitätsindikatoren aus nationalen sowie spitaleigenen Messungen geben uns wichtige Hinweise zur medizinischen Behandlungsqualität und helfen uns, die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten kontinuierlich zu optimieren. Um Auffälligkeiten zeitnah zu identifizieren und Verbesserungsmassnahmen systematisch zu steuern, wurde auch 2018 ein regelmässiges Qualitätsindikatoren Monitoring in der ärztlichen Direktion durchgeführt. Mit der Qualitäts-Scorecard soll ein Steuerungsinstrument zur Verfügung stehen, welches Kennzahlen nutzerspezifisch und transparent zugänglich abbildet. 2018 wurden für die gewählten Qualitätsindikatoren die klinischen Dokumentationsprozesse sowie die Datenqualität evaluiert und damit die Grundlagen für die technische Umsetzung der Qualitäts-Scorecard geschaffen.

  • Patientenbefragung

    2018 wurde die stationäre Patientenbefragung in den Austrittmonate März und September durchgeführt. Diese Entscheidung wurde aufgrund der Reorganisation der Patientenbefragung getroffen. Für stationäre Patientenbefragung haben wir 2018 insgesamt 4'721 Patienten angeschrieben, wovon 1'679 (Rücklaufquote: 36%) antworteten. 97,3% der Patientinnen und Patienten beurteilten die Behandlungsqualität als «ausgezeichnet» oder «gut» und 93,9% würden unser Spital für die ähnliche Behandlung oder für eine Geburt wiederwählen.

    85’348 ambulante Patientinnen und Patienten wurden 2018 befragt, wovon 26‘790 antworteten (Rücklaufquote: 31,4%). Die Behandlungsqualität beurteilten 86,0% Patientinnen und Patienten als «überragend» oder «sehr gut». 72,2% würden unser Spital für eine ähnliche Behandlung wiederwählen.

  • Rückmeldemanagement: Unser Fokus ist die Zufriedenheit unserer Patientinnen und Patienten
    2018 verzeichneten wir total 1’174 Rückmeldungen. Davon sind 64% Lob, 36% Beschwerden und 132 einzelne eingegangene Anregungen. Tendenziell verzeichneten wir einen Anstieg der Anregungen gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit betrug 2.3 Tage. Die eingegangenen Rückmeldungen zeigen uns auf, wie die Behandlung vor, während und nach Spitalaufenthalt erlebt wird. Wir erhielten von Patienten, Angehörigen und Besuchern wertvolle Verbesserungsvorschläge aber auch Bestätigung, wo wir auf gutem Wege sind.

Ausblick 2019

  • Value Based Health Care (VBHC)
    Neben der Einführung weiterer «Patient Reported Outcome Measures (PROMs)» liegt ein Schwerpunkt in der Sicherung der Nachhaltigkeit durch transparente Ergebnisauswertung und –darstellung der erhobenen Daten sowie ihre zunehmende Nutzung im Sinne eines «shared decision making» bei der Therapieplanung im Arzt-Patienten-Verhältnis. Daneben wird im Rahmen der «All.Can-Studie» in Zusammenarbeit mit dem Medizin Controlling der Kostenaspekt am Beispiel der Brustchirurgie evaluiert.
  • Patient Reported Outcome Measures (PROMs)
    Die Implementierung von PROMs am Universitätsspital Basel wird auch 2019 fortgesetzt. Geplant ist die Umsetzung von fünf bis sechs weiteren ICHOM Standardsets mit dem Schwerpunkt onkologische Krankheitsbilder.
  • EFQM – European Foundation for Quality Management (www.efqm.ch)
    Die für Februar 2019 terminierte EFQM-Validierung ist ein Meilenstein für das Universitätsspital Basel, handelt es sich doch um die erste unternehmensweite Zertifizierung im Sinne der vom Gesundheitsdepartement vorgeschriebenen zentralen Qualitätssicherungsmassnahmen.
  • Qualitätsindikatoren (QIs) und Qualitäts-Scorecard
    2019 erfolgt die technische Umsetzung der Qualitäts-Scorecard zur Abbildung definierter Indikatoren in einem «Business Intelligence Dashboard». Als erstes werden folgende vier Qualitätsindikatoren abgebildet: Sturz, Dekubitus, ZVK-Infektionen, Blasendauerkatheter-Liegedauer.
  • Patientenbefragung
    2019 wird die Patientenbefragung des Universitätsspital Basel neu konzipiert. Das USB strebt eine interaktive und Patienten-individuelle Patientenbefragung an. Dazu werden die Kliniken und Stationen sowie andere Fachdisziplinen eingebunden. Mit ihnen werden klinikspezifische Fragen erarbeitet, nebst den spitalweiten generellen Fragen. Ziel in 2019 ist es, mit zwei Kliniken und deren Fragenset zu starten.
  • Rückmeldemanagement
    Mit der für das 1. Quartal 2019 vorgesehenen Integration der Rückmeldungen in das SAP-basierte «Customer Relation Management» wird der Bearbeitungsprozess für alle Beteiligten effizienter gestaltet. Ziel ist es, durch einen vereinfachten Zugang für die an der Bearbeitung der jeweiligen Rückmeldung beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schneller auf die Meldungen von Patienten und Angehörigen reagieren zu können und damit die allgemeine Zufriedenheit zu steigern.