Medizinisches Zentrum: Lungenzentrum
Prof. Michael Tamm


Highlights 2019

Das Lungenzentrum Basel besteht nun seit über zehn Jahren und führt nebst interdisziplinären Fachkonferenzen, Weiterbildungsveranstaltungen für Ärzte aber auch für die Bevölkerung durch. Organisatorisch sind das Unispital Basel, das Universitäts-Kinderspital beider Basel und der Jura beteiligt. Die Kolleginnen und Kollegen des Kantonsspitals Baselland schalten sich per Video mit eigenen Fällen zu Besprechung zu.
Das Lungenzentrum besteht aus acht Segmenten: Asthma/COPD; Lungentumoren, Infekte; Atem- und Schlafstörungen; interstitielle Pneumopathien, Cystische Fibrose, pulmonal-arterielle Hypertonie; Thoraxtrauma. Je nach Segment sind sehr unterschiedliche Spezialisten involviert. Beispielsweise braucht es für das Tumorsegment, welches gleichzeitig als Lungentumorzentrum Teil des Tumorzentrums ist Pneumologen, Onkologen, Thoraxchirurgen, Radiologen, Nuklearmediziner, Pathologen und Strahlentherapeuten. Im Segment Atem- und Schlafstörungen sind Pneumologen, Neurologen, HNO Aerzte und Psychiater involviert. Das Schlafzentrum ist gemeinsam für die drei Standorte Unispital Basel, UKBB und UPK zertifiziert.

Interdisziplinäre Konferenzen
Insgesamt fanden klinische interdisziplinäre Konferenzen in sechs der acht Segmente statt.  Insgesamt wurden 1145 Fälle in 158 Konferenzen besprochen. Die Indikation zur interdisziplinären Besprechung ist in den einzelnen Segmenten unterschiedlich. Werden alle Patienten mit neu entdecktem Lungentumor, neu diagnostizierter interstitieller Pneumopathie und im Rechtsherzkatheter bewiesener pulmonal-arterieller Hypertonie in den Konferenzen vorgestellt, so werden bei Lungeninfekten, Schlafpatienten und Asthma/COPD nur speziell ausgewählte Fälle diskutiert. Die Konferenzen für Tumoren, interstitielle Pneumopathien und Infekte finden wöchentlich statt, die übrigen in zwei bis vier wöchentlichen Abständen.

Second Opinion Projekt interstitielle Pneumopathien
Vor sechs Jahren wurde im Anschluss an einen unserer Preceptorship days ein Internet basiertes Second Opinion Projekt zur Beurteilung von CT Bildern von Patienten mit Verdacht auf Lungenfibrose initiiert. Die CT-Bilder wurden von über 200 Zentren aus 12 europäischen Ländern via PACS nach Basel geschickt und gemeinsam radiologisch-pneumologisch beurteilt. Das Projekt ist ein grosser Erfolg mit nun über 1'000 eingeschickten Bildern. In weniger als zehn Prozent der Fälle gab es technische Probleme bei der Übermittlung. Alle diese Fälle konnten gelöst werden, die Qualität der eingeschickten CT Bilder war in 99 Prozent gut, da standardisiert. Die Befundbeurteilung erfolgt im Durchschnitt nach 1.7 Arbeitstagen. Eine Erstpublikation erfolgte im European Journal of Radiologie (Weikert et al 2019; 121; 108719)


Öffentlichkeitsarbeit
Nachdem 2018 ein hervorragend besuchter Öffentlichkeitstag des Lungenzentrums im Zentrum für Lehre und Forschung stattgefunden hatte, wurden dieses Jahr zwei Abende für Patienten mit Asthma und COPD durchgeführt. Die Interessenten mussten sich anmelden und es gab jeweils vier Vorträge gefolgt von einer Fragestunde. Zu unserer positiven Überraschung meldeten sich jeweils über 180 Personen und es musste auf grössere Hörsäle gewechselt werden.

Fortbildungen
Erstmals wurde eine zweitägige Weiterbildungsveranstaltung des Lungenzentrums für Hausärztinnen und Hausärzte zum Thema Lunge mit Vorträgen und praktischen Workshops durchgeführt. Da es sich um ein neues Format handelte, war die Teilnehmerzahl noch recht bescheiden, aber die Feedbacks von den Teilnehmenden ausgezeichnet. Für das Jahr 2020 ist ein weiterer CME Lunge vorgesehen.

2019 fanden zwei Preceptorship days für Ärzte aus mehreren europäischen Ländern statt.  Einerseits betraf das Thema Bronchuskarzinom, andererseits interstitielle Pneumopathien. Die jeweils 30 Teilnehmer bleiben für zwei Tage und nebst Vorträgen finden praktische Workshops und Fallkonferenzen statt. Wie in den vergangenen Jahren war die strukturierte Beurteilung der Preceptorship days sehr gut, insbesondere werden die direkten Diskussionsmöglichkeiten geschätzt.

2018 und 2019 fanden erstmals dreitägige Intensivgruppenkurse zum Thema interstitielle Erkrankungen statt. Basel wurde als drittes Zentrum nach dem Brompton Hospital in London und Lyon für dieses Programm ausgewählt. Jeweils acht absolute Fachspezialisten nehmen an einem Intensivkurs mit viel interdisziplinärer Diskussion teil. Die Diskussionen sind auch für uns anspruchsvoll und lehrreich, da die Teilnehmer in gewissen Krankheitsbildern mehr Erfahrungen als wir selbst haben.

Interdisziplinäre Fallvorstellungen Lungenzentrum 2019

  • Anzahl interdisziplinäre Konferenzen: 158
  • Anzahl vorgestellter Fälle/Patienten: 1145