Pflege/MTT
Dr. Jacqueline S. Martin


Highlights 2019

  • Der Ausfall der gesamten Klingelanlage des Unispitals Basel, von dem auch andere Spitäler betroffen waren, bescherte uns einen fulminanten Jahresstart. Die Situation konnte aber dank initial vieler kreativer Einzellösungen von betroffenen Pflegefachpersonen entschärft und anschliessend mit einem erfolgreichen Ausfallmanagement, an dem sich mehrere Berufsgruppen engagiert beteiligt haben, ohne gravierende Zwischenfälle bewältigt werden.
  • Die Weiterentwicklung der elektronischen Meona-Pflegedokumentation, mit korrekter Abbildung der relevanten Instrumente, sowie die Vorbereitungsarbeiten zur Einführung von Meona in der ambulanten Patientendokumentation hat uns im gesamten Jahr beschäftigt. Eine grosse Herausforderung sind weiterhin Informationsunterbrüche im Patientenpfad, aufgrund teilweise nicht vorhandener Schnittstellen zu umliegenden IT-Systemen.
  • Für die Gewährleistung einer sicheren und personenzentrierten Versorgung von besonders vulnerablen Patientengruppen, wie zum Beispiel Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Sturzrisiko oder akuter Verwirrtheit (Delir), die eine erweiterte und engmaschige Überwachung und Pflegebetreuung benötigen, wurde das Konzept Enhanced Care Policy aus dem NHS übersetzt und auf unsere Verhältnisse angepasst in den stationären Einheiten eingeführt.

Praxisentwicklung Fachbereich Pflege
Nach der Evaluation der Praxisentwicklung im Vorjahr, stand in diesem Jahr die Reflexion der Ergebnisse im Fokus mit dem Ziel Massnahmen für die Weiterentwicklung abzuleiten. Eine der Massnahmen bezieht sich auf Ergebnisse der Personenzentrierten Versorgung. In diesem Thema gibt es noch wenig Erfahrungswerte. Aus diesem Grund sind wir dem Netzwerk «Person-Centred Practice – International Community of Practice» beigetreten, um im internationalen Austausch wissenschaftlich fundiert die Wirksamkeit unserer Tätigkeiten in Pflege und Therapien zu erkunden. Wir möchten diese Erkenntnisse in der täglichen Praxis nutzen, um eine bedarfsorientierte und qualitativ hochstehende Personenzentrierten Versorgung für die Patientinnen und Patienten sicherzustellen.

Um den steigenden Herausforderungen im Bereich der onkologischen Pflege und den Anforderungen der Zertifizierung des Tumorzentrums gerecht zu werden, wurde die Stelle der Programmleitung Onkologie Pflege geschaffen und erfolgreich mit Catherine Gassmann besetzt. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Patientensicherheit wurde ein neues Sturzprotokoll entwickelt und zur systematischen Erfassung in Meona integriert. Innerhalb dieser Zusammenarbeit war es zudem möglich, eine Standortbestimmung des Sturzpräventions-Programm Patienten (StuPa) durchzuführen.

Am diesjährigen SBK Kongress in Basel war das Universitätsspital Basel gut vertreten. Den ersten Posterpreis gewann das Poster «Gemeinsam wirksam gegen den Schmerz – Evaluation 1 Jahr Pflegefachressourcengruppe Schmerz» von Dr. Monika Kirsch, Wolfang Hertel und Hannah Bosshart.


Praxisentwicklung Fachbereich Therapien
In Richtung neuer Versorgungsmodelle und erweiterter Rollen für die Therapien, wurde mit der Erarbeitung eines Behandlungskonzepts zur präoperativen Risikoerfassung und einem prähabilitativen Trainingsprogramm bei elektiven chirurgischen Eingriffen begonnen. Dies in Zusammenarbeit mit der Abteilung Herzchirurgie und dem Patientenzentrierten Management.

Zwei Projekte der Therapieexpertinnen, «Erfassung insuffizienter Hustenstoss bei Patientinnen und Patienten auf der medizinischen Intensivstation» und «Evaluation von physiotherapeutischen Assessment bei Hämatologischen Patienten auf der Isolierstation» konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Dabei hat sich unter anderem gezeigt, dass die Erfassung des Hustenstosses mit einigen Herausforderungen verbunden ist und die subjektive Einschätzung durch die jeweiligen Therapeutinnen valide ist.

Im Rahmen des interprofessionellen Projekts «Bewegungsförderung im Akutspital» haben die Therapien und die Pflege an einem Aktionstag den Mobilitätsgrad der Patientinnen und Patienten erhoben. Auf zwei Bettenstationen wurde in einem Pilotprojekt ein individueller Mobilitätsplan getestet. Aufgrund erster Rückmeldungen wird der Mobilitätsplan sowohl von Patienten als auch von den involvierten Gesundheitsberufen grundsätzlich begrüsst, aber die praktische Umsetzung muss noch weiter verbessert werden.

Das KVP-Projekt «Hygieneprozess bei ambulanten Patientinnen und Patienten der Therapien» wurde erfolgreich abgeschlossen und mit dem KVP-Preis des Patientenzentrierten Managements ausgezeichnet.

Sozialdienste
Die Kontaktpflege und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern ist stets eine wichtige Aufgabe zur Sicherung der Nachsorge, entsprechend haben wir uns im vergangenen Jahr mit unseren Kolleginnen der Frauenberatungsstelle familea, der Schuldenberatungsstelle plusminus, der Reha Rheinfelden, dem Rehab Basel und der Krebsliga beider Basel für einen themenspezifischen Austausch getroffen.

Die patientenzentrierte, integrierte Versorgung soll im Behandlungspfad des Universitätsspitals zukünftig besser umgesetzt werden. Hierzu gilt es über die Professionen hinweg Prozesse zu harmonisieren, und interprofessionelle Synergien optimaler zu nutzen. Der Sozialdienst als eine der wichtigen Berufsgruppen zur Erreichung dieses Ziels, arbeitete aktiv im Projekt des Integrierten Patientenmanagements (IPM) mit, welches 2020 eingeführt werden soll. 

Forschung
Die zweite und letzte Nachfolgestudie der Multizenter-Studie (SNF Sinergia project C; CRSII3_132786/1) zum Aufbau eines Monitoringsystems zur Erfassung der Arbeitsumgebungs-, und Pflegequalität in Schweizer Akutspitälern, wurde im Winter 2019 durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit einer Masterstudierenden Physiotherapie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (zhaw) und dem Spital Davos konnten in der Studie «Zusammenhang zwischen präoperativer Leistungsfähigkeit und Hospitalisationszeit bei orthopädischen und thoraxchirurgischen Eingriffen» die Messungen mit Probanden abgeschlossen werden.

Ausgewählte Publikationen

  • Kleinknecht M, Lendner I, Müller R, Horlacher K, Martin JS, Spirig R. Einschätzung der Austrittsbereitschaft von Patienten in akutsomatischen Spitälern in der Schweiz durch Pflegefachpersonen. Pflegewissenschaft, 2019; 1/2, 30-40. DOI: 10.3936/1571.
  • Hasemann W, Grossmann FW, Bingisser R, Hafner M, Breil D, Kressig RW, Nickel Ch. Optimizing the month of the year backwards test for delirium screening of older patients in the emergency department. The American Journal of Emergency Medicine. 2019 (in press).
  • Emsden Ch, Barandun Schäfer U, Denhaerynck K, Grossmann F, Frei IA, Kirsch M. Validating a pain assessment tool in heterogeneous ICU patients: Is it possible? Nursing in Critical Care. 2019;1–8. DOI: 10.1111/nicc.12469.
  • Knüppel Lauener S, Imhof L, Indermaur E, Rieder E, Wieber F. Psychisch kranke Menschen zu Hause: Was braucht es? Pflegewissenschaft, 2019; 9/10, 444-455. DOI: 10.3936/167.
  • Jaiteh Ch, Steinauer R, Frei IA. Individuals with Opioid Dependence Using Polysubstances. Journal of Addictions Nursing. 2019; Number 3, 177-184. DOI: 10.1097/JAN.0000000000000294.