Medizinisches Zentrum: Herzzentrum
Prof. Stefan Osswald, Prof. Friedrich Eckstein


Kennzahlen Kardiologie

2020 2019
Kennzahlen Kardiologie
Stationäre Fälle 2'150 2'257
Ambulante Patienten 32'458 33'121
Patientenzufriedenheit ambulant 89.5% 91.0%
Tarmedpunkte (teilstationär & ambulant) 5'477'000 5'481'000
Interventionen (stationär und ambulant) 2'956 3'082
PTCA 1'148 1'224
TAVI 170 165
Schrittmacherimplantationen 310 342
ICD-Implantationen 80 104
Ablationen 794 788
CRT 70 82
Echokardiographie transthorakal 13'134 13'556
Echokardiographie transoesophageal 1'238 1'328
Stressechokardiographien 382 394
MPS/Herz PET/CMR/CCT 3'919 3'856
Kennzahlen Herzchirurgie
Stationäre Fälle 519 658
Ambulante Patienten 1'528 1'827
Patientenzufriedenheit ambulant 91.9% 94.8%
Tarmedpunkte (teilstationär & ambulant) 305'000 328'000
Interventionen (stationär und ambulant) 694 914
Minimalinvasive Mitralchirurgie 52 53
Rekonstruktion Mitralklappe 97% 99%
Aortenklappenersatz Bio 96 151
Chirugie der thorakalen Aorta 74 96
Trikuspidal-/Pulmonalklappenchirurgie 2 15
Kombinationseingriffe mit HLM 127 192
LVAD-Implantationen 3 6

Highlights 2020 / Ausblick 2021

Onko-Kardiologie: Interdisziplinarität im Vordergrund

Prof. Dr. med. Gabriela Kuster-Pfister

  • Das noch junge und sehr dynamische Gebiet der Onko-Kardiologie hat sich in den letzten Jahren als eigenständige Subspezialität der Kardiologie etabliert. Während der Fokus zu Beginn vorwiegend auf der Kardiotoxizität klassischer Chemotherapien (Anthrazykline) lag, hat sich das Gebiet stark weiterentwickelt und auf sämtliche Schnittstellen der Onkologie und der kardiovaskulären Medizin ausgeweitet. Im Hauptfokus stehen Patientinnen und Patienten (i) mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen oder einem hohen kardiovaskulären Risiko, die eine neu diagnostizierte Krebserkrankung haben und während der Krebsbehandlung einer kardiologischen Mitbetreuung bedürfen, (ii) mit kardiovaskulären Nebenwirkungen aktueller oder früherer Krebsbehandlungen sowie (iii) Langzeit-Überlebende von Krebserkrankungen zum Screening und der Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen, unabhängig davon, ob diese mit der Krebstherapie in Zusammenhang stehen oder nicht.
  • In der Entwicklung der Onko-Kardiologie haben die beeindruckenden Fortschritte in der Behandlung von Tumorerkrankungen eine entscheidende Rolle gespielt. So haben neuartige und sehr wirkungsvolle Tumortherapien das Überleben von Tumorerkrankten bedeutend verbessert und deren Lebenserwartung verlängert. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch auch die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen. Auch das Auftreten Therapie-assoziierter kardiovaskulärer Schädigungen, die sich durch das längere Überleben nun manifestieren und sogar selbst lebenslimitierend werden können, hat dadurch an Häufigkeit zugenommen. Dies hat zu einem neuen Bedarf einer auf diese Population zugeschnittenen standardisierten kardiologischen Betreuung und Behandlung geführt. Dabei ist ein spezialisiertes Fachwissen über biologische Gemeinsamkeiten von Tumor- und kardiovaskulären Erkrankungen sowie über Wirkungsmechanismen und bekannte oder mögliche kardiovaskuläre Nebenwirkungen herkömmlicher und neuer onkologischer Therapien von zentraler Bedeutung. 
  • Die Onko-Kardiologie hat gemeinsam mit der Medizinischen Onkologie am USB vor ein paar Jahren interne Standards und Patientenwege definiert, um Risikopatientinnen und -patientenfrühzeitig einer kardiologischen Mitbetreuung zuzuführen. So werden seit 2018 onkologische Patientinnen und Patienten in enger Zusammenarbeit mit den Spezialistinnen und Spezialisten des Tumorzentrums, namentlich der Medizinischen und Gynäkologischen Onkologie und der Hämatologie, in einer dedizierten Sprechstunde beurteilt und nachkontrolliert und stationäre Patienten auf onko-kardiologische Fragen hin im Rahmen unseres Konsiliardienstes betreut. Die Anzahl Zuweisungen hat sich seit Beginn praktisch jährlich verdoppelt, was den grossen Bedarf an dieser neuen Dienstleistung illustriert.
  • Die Entwicklung und Etablierung hochsensitiver Biomarker (zum Beispiel hoch-sensitive Troponine) und Bildgebung (Strain-Echokardiographie) haben die kardiovaskuläre Risikostratifizierung von Tumorpatienten verbessert und erlauben eine frühzeitige Identifikation und Behandlung von Risikopatienten mit subklinischer struktureller und/oder funktioneller Schädigung des Herzens. Auch andere Formen der erweiterten Bildgebung wie z.B. das Herz-MRI spielen eine zentrale Rolle. Sie helfen z.B. in der Beurteilung struktureller Herzmuskelschädigungen durch Anthrazykline oder der Diagnostik von Herzmuskelentzündungen wie sie durch neuere Immuntherapien wie z.B. den Immun-Checkpoint-Inhibitoren hervorgerufen werden können. Mit der Einführung weiterer innovativer Krebstherapien, wie neuer Medikamente oder Zelltherapien (CAR-T-Zellen) werden wiederum neue, zum Teil unvorhergesehene Herausforderungen auf die Kardiologie zukommen.
  • Kardiovaskuläre und Tumorerkrankungen weisen eine Vielzahl gemeinsamer Risikofaktoren auf. Dazu gehören das Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, zu hohe Blutfette, Diabetes und Bluthochdruck. Ebenso ist bekannt, dass beide Krankheitsentitäten sich gegenseitig ungünstig beeinflussen. So kann sich eine Herzerkrankung unter einer unkontrollierten Krebserkrankung verschlechtern, während auf der anderen Seite zum Beispiel ein Herzinfarkt oder anderes kardiovaskuläres Ereignis bei Brustkrebs einen schlechteren Verlauf oder dessen Wiederauftreten zur Folge haben kann. Diesen Tatsachen Rechnung tragend wäre in Zukunft auch am USB die Einführung kombinierter Rehabilitations- und Präventionsprogramme denkbar. In einem vom UKBB initiierten und von der Schweizerischen Krebsliga finanzierten Projekt wird die Onko-Kardiologie in Zusammenarbeit mit anderen Zentren der Schweiz ferner in Kürze mit der Nachkontrolle und kardiovaskulären Risikostratifizierung von Überlebenden von Krebserkrankungen im Kindesalter, den Childhood Cancer Survivors, beginnen.

Ausgewählte Publikationen