Orthopädie und Traumatologie
Prof. Daniel Rikli


Kennzahlen

2020 2019
Stationäre Fälle 2'806 2'727
Ambulante Patienten (Kontakte) 28'609 31'924
Patientenzufriedenheit ambulant 88.1% 87.2%
Tarmedpunkte (teilstationär & ambulant) 4'222'000 4'915'000

Highlights 2020

Im Jahr 2020 hat die Klinik für Orthopädie und Traumatologie konsequent an den vier strategischen Zielen Weiterbildung, Value Based Health Care, Excellence Cluster Regenerative Surgery und Notfallzentrum weitergearbeitet. Prägend in diesem Jahr waren dabei die Implementierung der Kooperation mit dem Bethesda Spital und die Corona-Pandemie.

Nach intensiven Vorbereitungsarbeiten in den vorangegangenen Monaten startete die OrthoKlinik – Teil der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Universitätsspitals – am Standort Bethesda Spital am 1.1.2020. Ziel dieser Kooperation ist es, den elektiven Anteil der Chirurgie des Bewegungsapparates mit seinen spezifischen Anforderungen bezüglich Abläufen und Patientenbetreuung in einer dafür optimalen Klinikumgebung anzubieten. Die Teamleiter der Organteams (Hüfte, Knie, Fuss, Schulter/Ellbogen) sind ausgewiesene Fachspezialisten mit akademischem Hintergrund (Habilitation). Oberärztinnen und Oberärzte sowie Assistenzärztinnen und Assistenzärzte sind Teil der Gesamtklinik und rotieren in den Teams beider Standorte – am USB Traumatologie, Polytrauma, Infekt, Tumore. Dies erlaubt uns, unseren jungen Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin und darüber hinaus für ihre Ausbildung das gesamte Spektrum unseres Faches auf universitärem Niveau anzubieten. Die formale Weiterbildung wurde weiter aufgewertet durch Einführung eines halben Tages mit strukturierten Veranstaltungen (zweijähriges Vorlesungs-Curriculum zur Facharztvorbereitung, Fallbesprechungen, Journal Club, wissenschaftliches Arbeiten uam.), eine Einbindung umliegender Kliniken (Olten, Aarau und im Kanton Basellandschaft) ist für das nächste Jahr in Planung. Damit können wir uns weiter als hervorragende Weiterbildungsklinik mit Anbindung an die Universität in der Nordwestschweiz positionieren.

Per 1.1.2020 wurde der neue Einsatzplan für unsere Oberärztinnen und Oberärzte im interdisziplinären Notfallfallzentrum implementiert. Neu ist ein Facharzt Orthopädie und Traumatologie tagsüber fix im Notfallzentrum eingesetzt. Damit erreichen wir, dass unsere Patientinnen und Patienten rasch und kompetent betreut werden. Die Patientenzufriedenheit konnte durch diese Massnahme bereits deutlich gesteigert werden.

Konsequent haben wir die Klinische Forschung im Jahr 2020 ausgerichtet auf «Value Based Health Care». Dabei wird die Behandlungsqualität, gemessen am Mehrwert, der dabei für die Patientin und den Patienten generiert wird, ins Zentrum unserer Tätigkeit gestellt. Ein wichtiger Teil ist dabei die Monitorisierung und das Datenmanagement. Wir haben deshalb Register aufgebaut, mithilfe derer wir Routinedaten unserer Patientinnen und Patienten strukturiert in einer separaten Datenbank erfassen. Gleichzeitig erheben wir parallel zur klinischen Arbeit subjektive Angaben unserer Patientinnen und Patienten zur Behandlungszufriedenheit (sog. PROM – Patient Rated Outcome Measures). Diese Daten werden uns in Zukunft erlauben, die Behandlungsqualität zu messen und eine belastbare Grundlage zur Ressourcensteuerung im Gesundheitswesen zu liefern.

In Zusammenarbeit mit Prof. Ivan Martin (Tissue Engineering) und weiteren chirurgischen Kliniken (Hand- und Plastische Chirurgie, Mund- und Kieferchirurgie, Spinale Chirurgie) nimmt unsere Klinik teil am Auswahlverfahren für zwei geplante Excellence Cluster. Unser Cluster «Regenerative Surgery» hat in diesem Verfahren bereits die erste Hürde genommen und wir sind optimistisch, dass wir in diesem zukunftsweisenden Projekt die Wahl für uns werden entscheiden können.

Auch unser Alltag war in diesem Jahr von Corona geprägt. Im Frühling mussten die elektiven Operationen am Standort OrthoKlinik Bethesda während sechs Wochen ausgesetzt werden. Die zweite Welle traf dann vor allem den Standort Universitätsspital durch die nötige Umteilung der Ressourcen, welche zu erheblichen Störungen des Alltagsbetriebs führten. Leider muss davon ausgegangen werden, dass die Pandemie auch im nächsten Jahr noch erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Betrieb des Universitätsspitals haben wird.

Ausblick 2021

Das Jahr 2021 wird geprägt sein von der konsequenten Weiterentwicklung der oben genannten Ziele, welche sich mit dem Überbegriff «Qualität» zusammenfassen lassen.

Qualität ist nicht ohne Weiterbildung zu haben. Das seit Jahrzehnten erfolgreiche und vielfach kopierte schweizerische Berufsbildungssystem ist das Idealbeispiel, um dies zu illustrieren. Was hilft es, wenn es einem Protagonisten gelingt – vielleicht durch aussergewöhnliche Begabung, besonderen Fleiss und Ausdauer, Beharrlichkeit etc. – in seinem Bereich die Qualität der Ergebnisse zu verbessern, wenn er dies nicht weitergibt? Erst Weiterbildung macht Qualität zur kulturellen Leistung. Die Besonderheit in der Medizin ist dabei, dass das Weitergeben von Wissen, Fähigkeiten und Werten eine gesellschaftliche Verantwortung darstellt, welche diejenigen, die medizinisch tätig sind, implizit übernehmen. Wir alle wollen nämlich, dass unsere Nächsten – und damit auch wir selber – dereinst die optimale medizinische Behandlung erfahren. Um dies zu erreichen, reichen Kriterien zur Steigerung der Produktivität in einer Kaugummifabrik nicht aus.
Wir werden 2021 die ärztliche Weiterbildung weiterentwickeln, nicht nur inhaltlich. Kooperationen mit den regionalen Spitälern der Nordwestschweiz sind konkret in der Umsetzungsphase. Es ist auch unser Bestreben, die Weiterbildung zum Facharzt/zur Fachärztin und darüber hinaus, bis zur Fähigkeit, den Beruf in voller Selbstverantwortung eigenständig auszuüben, unter der Ägide unserer universitären Institutionen zu systematisieren. Dies lässt sich durch Synergien und optimale Nutzung der Ressourcen erreichen.
Neu als Teil des Departements Muskuloskelettales System und zusammen mit der Departementsleitung wird unsere Klinik die Kooperation mit dem Bethesda Spital im Sinne der «public private partnership» weiter entwickeln.

Die Entwicklung der Datenbanken/Register und die klinikübergreifende Implementierung der PROM-Erhebung wird Ende 2021 so weit sein, dass wir ab 2022 Qualitätsdaten liefern können. Value Based Health Care wird im klinischen Alltag damit stabil verankert. Diese medizinischen Daten werden es uns in Zukunft ermöglichen, die Qualität unserer Arbeit weiter zu verbessern. Die Politik erhält mit ihnen Mittel an die Hand, welche geeigneter sind, steuernd auf das Gesundheitssystem als Gesamtes einzuwirken.

Ausgewählte Publikationen

  • Clauss M, Hunkeler C, Manzoni I, Sendi P. Debridement, Antibiotics and Implant Retention for Hip Periprosthetic Joint Infection: Analysis of Implant Survival after Cure of Infection. Journal of Bone and Joint Infection 2020; 5(1):35-42.
  • Gehmert S, Lehoczky G, Loibl M, Jung F, Prantl L, Gehmert S. Interaction between extracellular cancer matrix and stromal breast cells. Clin Hemorheol Microcirc 2020; 74(1):45-52.
  • Herger S, Nüesch C, Liphardt A-M, Egloff C, Mündermann A. Framework for modulating ambulatory load in the context of in vivo mechanosensitivity of articular cartilage. Osteoarthritis and Cartilage Open 2020; in press.
  • Ismailidis P, Hegglin L, Egloff C, Pagenstert G, Kernen R, Eckardt A, et al. Side to side kinematic gait differences within patients and spatiotemporal and kinematic gait differences between patients with severe knee osteoarthritis and controls measured with inertial sensors. Gait & Posture 2020; 84:24-30.
  • Rikli D, Feissli S, Muller AM, Steinitz A, Suhm N, Jakob M, et al. High rate of maintaining self-dependence and low complication rate with a new treatment algorithm for proximal humeral fractures in the elderly population. Journal of Shoulder and Elbow Surgery 2020; 29(6):1127-1135.