Pathologie
Prof. Markus Tolnay


Highlights 2020

COVID-19:

Die COVID-19 Pandemie war für das gesamte Unispital Basel, und damit auch für die Pathologie, eine spezielle Herausforderung. Der Pathologie als «Lehre der Krankheiten» kam hierbei eine besondere Bedeutung zu. Durch die Untersuchung von an COVID-19 verstorbenen Patientinnen und Patienten konnten wir in Zusammenarbeit mit den klinischen Kollegen wertvolle Erkenntnisse zu den Auswirkungen dieser Erkrankung auf die verschiedenen Organsysteme gewinnen und daraus mögliche Therapieoptionen ableiten. Die im Mai 2020 publizierte Arbeit wurde bis dato weltweit über 2000-fach zitiert und erhielt von der Fachzeitschrift «Histopathology» den Roger Cotton-Preis als beste Publikation des Jahres 2020. Unsere Forschung zu COVID-19 wurde von der Botnar-Stiftung grosszügig mit CHF 1.3 Mio unterstützt.

Auf dem Weg zur digitalen Pathologie:

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen macht auch vor der Pathologie nicht halt. In einem Projekt wurden die diesbezüglichen Anforderungen und Grundvoraussetzungen detailliert geprüft und vom Steuerungsausschuss verabschiedet. Damit sind die Grundlagen geschaffen, um in den Folgejahren die Pathologie Schritt für Schritt möglichst vollständig zu digitalisieren. 

Molekulare Expertise:

Trotz COVID-19 haben die Anforderungen für molekularpathologische Untersuchungen weiterhin zugenommen (rund 7% gegenüber Vorjahr) und unterstreichen damit die zentrale Rolle der Pathologie im Rahmen der personalisierten Krebsmedizin. Es hat sich weiterhin bewährt, dass wir für die molekulare Untersuchung von soliden Tumoren konsequent die Technik des Next Generation Sequenzing anwenden, dies verbunden mit einer sehr kurzen Turnaround-Zeit. Auf dem Gebiet der soliden Tumore sind wir für diese Art von Untersuchen in der Schweiz weiterhin Marktführer. Die Technik der «Liquid Biopsy» wurde weiter auf- und ausgebaut und ist für diverse Tumoren routinemässig für unsere Zuweisende verfügbar.
Die Tumor-DNA Methylomanalyse wurde weiter vorangetrieben und wird als state-of-the-art Untersuchung routinemässig angeboten. Dieses Verfahren erlaubt es, tumorspezifische DNA-Methylierungsprofile zu erstellen. Für deren Auswertung nutzen wir machine-learning Algorithmen (artificial intelligence) für Hirntumore, für Krebserkrankungen bei unbekanntem Primarius (cancer of unknown primary, CUP) sowie für Weichteiltumore/Sarkome inklusive peripherer Nervenscheidentumore. Desweiteren steht nun auch ein DNA Methylom-basierter Algorithmus für die prognostische Einschätzung von Meningeomen routinemässig zur Verfügung.

Spezialisten für Spezialisten:

Im Berichtsjahr haben wir die Spezialisierung nach Organgebieten weiter vorangetrieben. Damit möchten wir den klinischen Partnern die jeweils bestmögliche Expertise zur Verfügung stellen. Unser hoher Spezialisierungsgrad widerspiegelt sich auch in der erneut steigenden Anzahl von externen Pathologieinstituten angeforderten Konsiliaruntersuchungen. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die in unserem Institut angesiedelten Referenzzentren, wie das Knochentumor-Referenzzentrum und das Referenzzentrum zur histologischen Diagnostik von malignen Lymphomen der SAKK. Die Pathologie war weiterhin sehr aktiv in die interdisziplinäre Betreuung der Patientinnen und Patienten miteingebunden. Die Pathologie ist dabei ein wichtiger Partner in den diversen medizinischen Zentren, insbesondere aber im Tumorzentrum des Unispitals Basel, wo wir in allen organspezifischen Zentren in der Leitung vertreten sind.

Personelles:

2020 wurde Prof. Dr. phil. Christian Ruiz zum Titularprofessor für «Experimentelle Medizin» der Medizinischen Fakultät der Universität Basel befördert. Alle Mitarbeitenden der Pathologie haben im «Corona»-Jahr 2020 unter oft schwierigen Bedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Ihnen allen gebührt hierfür ein grosses Dankeschön. 

Ausblick 2021

Neben den durch das Coronavirus geprägten Herausforderungen werden uns 2021 zwei Entwicklungen besonders beschäftigen:

  • Im Rahmen der Reorganisation 2021+ werden wir ab dem 1. Mai 2021 neu im Departement «Theragnostik» verortet sein. Wir freuen uns insbesondere auf den engen Austausch und die Zusammenarbeit mit den dem neuen Departement zugehörigen Instituten und Kliniken.
  • Das Projekt «Digitalisierung Pathologie» wird fortgeführt und kommt nun in die Umsetzungsphase.

Ausgewählte Publikationen

  • Menter T, Haslbauer JD, Nienhold R, Savic S, Hopfer H, Deigendesch N, Frank S, Turek D, Willi N, Pargger H, Bassetti S, Leuppi JD, Cathomas G, Tolnay M, Mertz KD, Tzankov A. Postmortem examination of COVID-19 patients reveals diffuse alveolar damage with severe capillary congestion and variegated findings in lungs and other organs suggesting vascular dysfunction. Histopathology. 2020 Aug;77(2):198-209. 
  • Frank S.Catch me if you can: SARS-CoV-2 detection in brains of deceased patients with COVID-19. Lancet Neurol. 2020 Nov;19(11):883-884.
  • Federer-Gsponer JR, Müller DC, Zellweger T, Eggimann M, Marston K, Ruiz C, Seifert HH, Rentsch CA, Bubendorf L, Le Magnen C. Patterns of stemness-associated markers in the development of castration-resistant prostate cancer. Prostate. 2020 Sep;80(13):1108-1117. 
  • Alborelli I, Leonards K, Rothschild SI, Leuenberger LP, Savic Prince S, Mertz KD, Poechtrager S, Buess M, Zippelius A, Läubli H, Haegele J, Tolnay M, Bubendorf L, Quagliata L, Jermann P. Tumor mutational burden assessed by targeted NGS predicts clinical benefit from immune checkpoint inhibitors in non-small cell lung cancer. J Pathol. 2020 Jan;250(1):19-29. 
  • Cyrta J, Augspach A, De Filippo MR, Prandi D, Thienger P, Benelli M, Cooley V, Bareja R, Wilkes D, Chae SS, Cavaliere P, Dephoure N, Uldry AC, Lagache SB, Roma L, Cohen S, Jaquet M, Brandt LP, Alshalalfa M, Puca L, Sboner A, Feng F, Wang S, Beltran H, Lotan T, Spahn M, Kruithof-de Julio M, Chen Y, Ballman KV, Demichelis F, Piscuoglio S, Rubin MA.
  • Role of specialized composition of SWI/SNF complexes in prostate cancer lineage plasticity. Nat Commun. 2020 Nov 3;11(1):5549.