Patientensicherheit
PD Dr. René Schwendimann


Die Abteilung Patientensicherheit ist der Förderung der spitalweiten Sicherheitskultur verpflichtet. Dazu gehören die Implementierung, Evaluation und dauerhafte Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen und Projekte zur Patientensicherheit.

Highlights 2020

CIRS@USB:

  • Erstellung des spitalweiten Alerts «Spritzenverwechslung – Wenn das falsche Medikament injiziert wird» mit Entwicklung von Spritzen-Etiketten mit der Beschriftung «Nicht zur Injektion», Anwenderinformationen zur inhalativen Glypressin-Gabe sowie Empfehlung zur zukünftigen Vermeidung. Im Rahmen der USB Einführungsveranstaltungen für neue Mitarbeitende wurden Pflegefachpersonen und Ärztinnen und Ärzte über die Nutzung von CIRS@USB orientiert. Dazu wurden CIRS Inputs für Stationen sowie für Studierende des Bildungszentrums Gesundheit gehalten. 
  • Im CIRS Meldewesen konnte zudem eine wichtige Funktion, die Beibehaltung der Fallnummer bei Weiterleitung/Kopie durch die CIRS Teams (= Ein Fall, eine Nummer!), umgesetzt werden. Damit werden Doppel- oder Mehrfachzählungen in den Berichtsstatistiken vermieden. Im Weiteren sind zwei CIRS Studien in Angriff genommen worden. Eine retrospektive Datenanalyse der CIRS Fälle (2013–2019) sowie eine systematische Literaturübersicht zu CIRS in Spital Settings. 

DrugSafety@USB:

  • Festlegung der USB-Liste mit Hochrisikomedikamenten inkl. Überprüfung der Hintergrundinformationen in Zusammenarbeit mit dem USB Digital Safety Board und der Firma Meona. Weiterführung der Projekte «Zentrale Arzneimitteldatenbank» (ZAMD) und «eSupport for Drugsafety». Mit eSupport for Drugsafety steht ein Frühwarn- und Monitoringsystem für unerwünschte (meldepflichtige) Arzneimittelwirkungen und -ereignisse sowie weitere medikationsbezogene Probleme, die sich in den elektronischen Patientenkurven identifizieren lassen, zur Verfügung. 
  • Die interdisziplinäre und interprofessionelle Opioid Arbeitsgruppe realisierte ein nutzerfreundliches und einfacheres Verfahren zur Verordnung von Opioiden in Meona mittels Templates und Schnellbuttons sowie deren Verabreichung (Integration von Umrechnungstabellen in Tool-Tips). Die produktive Inbetriebnahme erfolgte im November. Im Weiteren sind Vorbereitungen zur Neuorganisation des Meldeverfahrens zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen an Swissmedic ab 2021 getroffen worden.

Sicherheitsrundgänge:

  • Die per Frühjahr geplanten Sicherheitsrundgänge wurden coronabedingt von September bis November durchgeführt. Befragt und besucht wurden wiederum acht Abteilungen aus den Bereichen Chirurgie, Medizin, Medizinischer Querschnitt und Spezialkliniken. Die interprofessionellen Teams (n=192 Befragte) der Abteilungen zeigten unterschiedlich ausgeprägte positive Wahrnehmungen beim Sicherheitsklima (73%; 56–95%), der Teamzusammenarbeit (77%; 61–96%) und der generellen Einschätzung zur Patientensicherheit (71%; 50–100%). Bei den Vor-Ort Beobachtungen (n=544) zu den verschiedenen Aspekten der Patientensicherheit wie z.B. Infektionsprävention, Medikationsprozess oder stationsspezifische Aspekte wurden die Best practices-Anforderungen zu 88% erfüllt und zu 12% teilweise erfüllt resp. nicht erfüllt. In den Nachbesprechungen wurden zusammen mit den Abteilungen Handlungsbedarfe (z.B. Händehygiene, aseptisches Arbeiten) identifiziert und Folgemassnahmen geplant, die ab Sommer 2021 wiederum evaluiert werden. Die Berichte zu den Sicherheitsrundgängen sind den beteiligten Stationen und den Linienvorgesetzten resp. Bereichsleitungen vorgelegt worden.

Simulationsübung «Raum des Schreckens»:

  • Die Simulationsübung wurde im Berichtsjahr sieben Mal im Rahmen des USB Fort- und Weiterbildungsangebots für Stationen und einmal bei der Einführung neuer Pflegefachpersonen am USB durchgeführt. Coronabedingt mussten die Durchführungen im Oktober und Dezember leider abgesagt werden. An den Simulationsübungen nahmen insgesamt 66 Fachpersonen teil. In den Kursauswertungen wurden die Übungen von den Teilnehmenden mehrheitlich als lehrreich und empfehlenswert beurteilt. 

Weitere Aktivitäten:

  • Strukturierte Vor-Ort Visitationen in 45 Kliniksprechstunden zur Einhaltung der Mindestanforderungen der «Spitalhygienischen Vorgaben während der COVID-19 Epidemie» zur Wiederaufnahme des ambulanten Betriebs im April/Mai. Organisation der jährlichen nationalen ANQ Prävalenzmessung (Sturz und Dekubitus), welche für den 10. November 2020 vorgesehen war, coronabedingt jedoch kurzfristig abgesagt werden musste. Sechs Fortbildungsveranstaltungen für neue Mitarbeitende der Pflege/Hebammen zu Patientensicherheit und CIRS, individuelle Beratungen im Kontext Patientensicherheit sowie weitere Vortragstätigkeit zum Themenkreis CIRS und Patientensicherheit auf Einladung. Wissenschaftliche Projekte (2020-2021): Early Warning Score – Praktikabilität im klinischen Alltag einer medizinischen Abteilung, Evaluation des USB Sturzpräventionsprogramms (StuPa) in 19 Bettenstationen (Sekundärdatenanalyse), Einbezug der Patienten in die Sturzprävention – Praktikabilität im klinischen Alltag einer neurologischen Abteilung. Dozententätigkeit zu Patientensicherheit und Qualität im Masterstudiengang Pflegewissenschaft an der Universität Basel.

Ausblick 2021

  • CIRS@USB: Integration der Meldekreise in die neue Departementsstruktur (Organisation USB 2021+) inkl. periodisches Reporting an die Departementsleitungen. 
  • Simulationsübung «Raum des Schreckens» – Wiederaufnahme ins reguläre Einführungsprogramm für neue Mitarbeitende (Pflegende, Hebammen) sowie interprofessionelle Angebote für Abteilungen. 
  • Sicherheitsrundgänge – Follow-up Evaluation zur bisherigen Massnahmenumsetzung und Start eines neuen Zyklus mit Einbezug der neuen Departementsleitungen (Organisation USB 2021+).
  • DrugSafety@USB – Operative Nutzung der zentralen Arzneimitteldatenbank sowie Trigger Tool gestütztes Monitoring unerwünschter Arzneimittelereignisse im USB.
  • Umgang mit (medizinischen) Fehlern und (schwerwiegenden) unerwünschten Ereignissen am USB – gemeinsam mit Abteilungen QM und Klin. Ethik.
  • Wissenschaftliche Projekte: Abschluss der laufenden Masterstudien: «CIRS Systematic review», «Early Warning Score», «Evaluation Sturzpräventionsprogramm (StuPa)» und «Patienteneinbezug in die Sturzprävention» 

Ausgewählte Publikationen

  • Mueller S, Mohr G, Navarini A, Gantenbein L, Goldust M, Karagaiah P, Schwendimann R. Critical Incidence Reporting in Dermatology: A Cross-Sectional Study of 94 Cases in a Tertiary Referral Centre. Journal of Dermatological Treatment 2020 Oct 25;1-2. doi.org/10.1080/09546634.2020.1839005.
  • Reiser Crelier F, Schwappach D, Schwendimann R. Supporting Health Professionals after an Adverse Event in Swiss Hospitals: A cross-sectional study. Swiss Medical Weekly 2020; 150; w20278.