Radiologie und Nuklearmedizin
Prof. Elmar Merkle, Beatrice Schädeli, Stefan Bedekovic


Kennzahlen

2020 2019
Stationäre Fälle 535 519
Ambulante Patienten (Kontakte) 34'652 32'422
Patientenzufriedenheit ambulant 88% 88.7%
Tarmedpunkte (teilstationär & ambulant) 18'837'000 18'336'000
Computertomografien (Untersuchungen) 49'822 47'337
Mammografien (diagnostisch, ohne Screening-Mammografien) 7'233 6'791
PET/CT 3'568 3'424
Lu-177-PSMA-Therapien 63 0

Ambulante Patientenkontakte

2020
34'652
2019
32'422

Stationäre Fälle

2020
535
2019
519

Wir bieten das gesamte Leistungsspektrum der modernen diagnostischen und therapeutischen Radiologie und Nuklearmedizin an, einschliesslich der minimalinvasiven interventionellen und endovaskulären Therapien sowie der Radionuklidtherapie. Die bildgebende Diagnostik umfasst die konventionelle Radiologie inklusive der Mammografie und der Tomosynthese, alle Kontrastmittelverfahren, die Sonografie, die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT) und die angiografischen Verfahren sowie die nuklearmedizinische Diagnostik von der planaren Szintigrafie bis hin zu den modernen Hybridverfahren PET/CT (Positronen-Emissions-Tomografie/CT) und SPECT/CT (Single Photon Emission Computed Tomography/CT). Im therapeutischen Bereich erweitern wir unser Spektrum laufend um Neuentwicklungen bei den minimalinvasiven und endovaskulären Verfahren der interventionellen Radiologie und der Neuroradiologie. Die Radionuklidtherapie bildet – als Spezialität von nationaler und internationaler Bedeutung – einen der spitzenmedizinischen Schwerpunkte des Universitätsspitals Basel. Unsere organbezogenen ärztlichen Fachabteilungen werden ergänzt von den Abteilungen für radiologische Physik und radiopharmazeutische Chemie.
Uns steht ein volldigitalisierter Gerätepark mit hochempfindlichen und strahlensparenden Detektorsystemen zur Verfügung.

Highlights 2020

  • erfolgreiche Einführung der Lu-177-PSMA-Therapie im Mai mit seitdem steigender Nachfrage
  • Zunahme von Computertomografien (+15%), Mammografien (+6.4%) und PET/CT (+4%)

Klinische Dienstleistung

  • Die im Mai erstmals durchgeführte Lu-177-PSMA-Therapie des Ga-68-PSMA-PET-positiven kastrationsresistenten Prostatakarzinoms nahm stetig zu (63 Therapien in 2020). Gewachsen ist auch die Anzahl PET/CT-Untersuchungen (+4%), bei einer Verschiebung von Myokardperfusionsszintigrafien hin zu Rb-82-PET/CT-Untersuchungen des Herzens.
  • Einen sehr deutlichen Einfluss auf die Untersuchungen und Therapien der Nuklearmedizin hatten die Einreisesperren für  ausländische Patientinnen und Patienten (Leistungen März–Mai: -20%, Oktober–Dezember: -6%).
  • Die Anzahl Computertomografien wuchs gegenüber 2019 um 15% bei deutlicher Zunahme an CT-Untersuchungen des Thorax seit der ersten Pandemie-Welle (2019: 6053, 2020: 7310). Die bisherige Stufendiagnostik, die bei Verdacht auf Pneumonie zunächst ein konventionelles Röntgenbild und erst im zweiten Schritt eine CT vorsieht, war ausgesetzt worden, um die Ansteckungsgefahr von Mitarbeitenden sowie Patientinnen und Patienten zu reduzieren und die Triagierung zu beschleunigen. 
  • Die seit einigen Jahren beobachtbare Zunahme an Schnittbilduntersuchungen liess sich auch 2020 nachweisen (+7.5%). 
  • Die erste und zweite Welle der Pandemie in der Schweiz zeigte sich besonders deutlich bei den diagnostischen Mammografien (ohne Screening-Mammografien). Deren Anzahl brach von März bis Mai massiv ein (vgl. Grafik), nahm ab Juni jedoch stark zu (+26%) und erholte sich im Jahresvergleich (+6.4%). 
  • Mit einer Reduktion um 25% bei der Anzahl Röntgenuntersuchungen (konventionell sowie des Skeletts) zeigten sich die Verschiebungen der muskuloskelettalen Untersuchungen zur Orthopädie des Bethesda Spitals sowie der Röntgen-Untersuchungen des Thorax (zur CT).
  • Die Optimierung der CT-Untersuchungen der Koronararterien führte zu einer Reduktion der Wartezeiten unserer Patientinnen und Patienten von sechs auf maximal zwei Wochen und einer besseren Nutzung der CT-Kapazitäten. Zusammen mit der Kardiologie erhielten wir dafür den KVP-Preis des Universitätsspitals Basel
  • Das in Kooperation mit der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie geleitete 3D Print Lab bietet weiterhin dreidimensionale, auch mehrfarbige oder sterilisierbare Modelle für Operationsplanung und -durchführung, Patientenaufklärung und Lehre an. 
  • Der Austausch einer CT-Anlage für den Routinebetrieb musste verschoben werden. Unter schwierigen Bedingungen konnten wir das CT-Gerät für Notfälle, die Neuroangiografie-Anlage und das Durchleuchtungsgerät ersetzen. Letzteres konnten wir umplatzieren, um die Patientensicherheit weiter zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
  • Auch am Zentrum für Bilddiagnostik, unserer mit Unterstützung des spezialisierten Kernteams am Unispital Basel betreuten Aussenstelle für ambulante Patientinnen und Patienten, wurde der Gerätepark modernisiert. Am Standort Bahnhof SBB wurden beide Magnetresonanztomografen sowie die Röntgenanlage und der Computertomograf durch modernere Geräte ersetzt. Zusätzlich wurde der Gerätepark um eine Mammografieanlage erweitert.

Organisatorische Entwicklungen

  • Prof. Georg Bongartz trat als Stv. Chefarzt und als ärztlicher Direktor des Zentrums für Bilddiagnostik zurück und ging (fast) in Pension – mit seiner Expertise bleibt er dem Zentrum erhalten. Prof. Daniel Boll konnte als Stv. Chefarzt, PD Dr. Martin Kretzschmar als ärztlicher Direktor des Zentrums für Bilddiagnostik gewonnen werden.
  • PD Dr. Anna Hirschmann wechselte zu einem privaten Radiologie-Institut, ihre Nachfolge als Leiterin der muskuloskelettalen Diagnostik trat ihre bisherige Stellvertreterin Dr. Dorothee Harder an. 
  • Dr. Philipp Brantner nahm die radiologische Chefarztposition am Gesundheitszentrum Fricktal in Rheinfelden an; die Co-Leitung des 3D Print Labs übernahm per 1.1.2021 Dr. Julian Gehweiler.

Lehre 

  • Wir sind in die Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten, Zahnärzten, Radiologiefachpersonen, Physikern, Biologinnen, Chemikerinnen sowie anderen Fachpersonen involviert und betreuen zahlreiche Studierende, Unterassistenten, Diplomanden und Doktoranden. Unsere Lehrtätigkeit für sämtliche Berufsgruppen war 2020 massiv eingeschränkt. Die Vorlesungen wurden meist virtuell durchgeführt, Kurse und Praktika wurden, ebenfalls mit erheblichem Aufwand, umgeplant oder kondensiert und in Kleinstgruppen häufiger angeboten. Auch die Prüfungen fanden in veränderter Form statt. 
  • Zum wiederholten Mal wurden wir von der FMH als beste universitäre Weiterbildungsstätte für Radiologie der Schweiz bewertet. 
  • Kongresse wurden minimiert, fielen mitunter ganz aus. 

Forschung

  • Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickelten einen Computeralgorithmus zur automatischen Quantifizierung des Lungenbefalls, einem wertvollen klinischen Verlaufsparameter bei der Behandlung von COVID-19. Zudem untersuchten sie die radiologisch-pathologische Korrelation der pulmonalen Veränderungen bei COVID-19.
  • 2020 arbeiteten sie weiter an der Entwicklung von Radiopharmazeutika für die Bildgebung und Therapie CXCR4-positiver Tumoren (CXCR: bei über 20 Krebsarten überexprimierter Chemokinrezeptor). Zudem waren sie beteiligt an der Entwicklung Cu-61-basierter Radiopharmazeutika für den klinischen Einsatz und entwickelten und selektierten den ersten Technetium-99m-markierten Somatostatin-Antagonisten für die klinische Anwendung, zur Bildgebung und Therapie neuroendokriner Tumoren. Unseren Nuklearmedizinern gelang in der Phase 0 der «Lumed-Studie» bei allen Patientinnen und Patienten der szintigrafische Nachweis einer Anreicherung der neuen Therapiesubstanz Lu-177-PP-F11N in Metastasen eines medullären Schilddrüsenkarzinoms; diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Untersuchung der Substanz. 
  • Die Wissenschaftler der Radiologischen Physik forschten 2020 vor allem zur funktionalen und strukturellen Bildgebung von Erkrankungen der Lunge, der Muskulatur sowie des Rückenmarks in der MRT.
  • In einer internationalen Studie unter Beteiligung unserer Neuroradiologen konnte gezeigt werden, dass Nerinetid, – ein neuer Wirkstoff –, helfen könnte, nach einem Schlaganfall Gehirnzellen zu erhalten.

Ausblick 2021

Die stetige Modernisierung des Geräteparks wird 2021 folgende Investitionen umfassen: 

  • zusätzliches PET/CT-Gerät
  • zusätzliches MRT-Gerät
  • Austausch des CT-Geräts für klinische Routineuntersuchungen (ohne Interventionen)
  • Austausch des DEXA-Geräts (Duale Röntgenabsorptiometrie) zur Knochendichtemessung

Für das erste Quartal ist ein Umbau der nuklearmedizinischen Bettenstation zur Erhöhung um zwei Betten vorgesehen. Damit wird dem gestiegenen Bedarf an Therapieplätzen, vor allem für die Lu-177-PSMA-Behandlung des Ga-68-PSMA-PET-positiven kastrationsresistenten Prostatakarzinoms, entsprochen. 

Asugewählte Publikationen

  • Donners R, Obmann MM, Boll D, Gutzeit A, Harder D. Dixon or DWI. Comparing the utility of fat fraction and apparent diffusion coefficient to distinguish between malignant and acute osteoporotic vertebral fractures. Eur J Radiol. 2020 Nov;132:109342.

  • Heye T, Knoerl R, Wehrle T, Mangold D, Cerminara A, Loser M, Plumeyer M, Degen M, Lüthy R, Brodbeck D, Merkle E. The Energy Consumption of Radiology: Energy- and Cost-saving Opportunities for CT and MRI Operation. Radiology. 2020 Jun; 295(3):593-605.

  • Rottenburger C, Nicolas GP, McDougall L, Kaul F, Cachovan M, Vija AH, Schibli R, Geistlich S, Schumann A, Rau T, Glatz K, Behe M, Christ ER, Wild D. Cholecystokinin 2 Receptor Agonist 177Lu-PP-F11N for Radionuclide Therapy of Medullary Thyroid Carcinoma: Results of the Lumed Phase 0a Study. J Nucl Med. 2020 61(4):520-526.

  • Sporns PB, Psychogios MN, Straeter R, Hanning U, Minnerup J, Chapot R, Henkes H, Henkes E, Grams A, Dorn F, Nikoubashman O, Wiesmann M, Bier G, Weber A, Broocks G, Fiehler J, Brehm A, Kaiser D, Yilmaz U, Morotti A, Marik W, Nolz R, Jensen-Kondering U, Braun M, Schob S, Beuing O, Goetz F, Trenkler J, Turowski B, Möhlenbruch M, Wendl C, Schramm P, Musolino PL, Lee S, Schlamann M, Radbruch A, Karch A, Rübsamen N, Wildgruber M, Kemmling A. Save ChildS Investigators. Clinical Diffusion Mismatch to Select Pediatric Patients for Embolectomy 6 to 24 Hours After Stroke: An Analysis of the Save ChildS Study. Neurology. 2020 96(3):e343-e351.

  • Weikert T, Winkel DJ, Bremerich J, Stieltjes B, Sauter AW, Sommer G. Automated Detection of Pulmonary Embolism in CT Pulmonary Angiograms using an AI-Powered Algorithm. Eur Radiol. 2020 30:6545–6553.

Unsere vollständigen Publikationen finden Sie auf www.unispital-basel.ch/radiologie/jahresbericht