Patient Reported Outcome
Measures (PROMs)

PROMs als Qualitätsindikator

  • Messung des Behandlungserfolges auf individueller Patientenebene
  • Vergleich des Outcomes bei unterschiedlichen Behandlungspfaden
  • Regelmässige Datenauswertungen auf Kollektivebene ermöglichen die Identifizierung von auffälligen Bereichen

«PROMs helfen uns, die Behandlung kontinuierlich zu optimieren»
 

Dr. med. Florian Rüter Leiter Qualitätsmanagement

Video PROMS in der Orthopädie und Traumatologie

PROMs in der ambulanten Pflege für Patientinnen mit Brustkrebs

Zur beständigen Steigerung der individuellen Behandlungsqualität und der Patientenfokussierung Im Rahmen der strategischen Ausrichtung “Value Based Healthcare” werden am USB klinikübergreifend Patient Reported Outcome Measures (PROMs) erhoben. Hierbei handelt es sich um krankheitsspezifische Fragensets, welche eine langfristige und standardisierte Messung der Lebensqualität und des Gesundheitszustand ermöglichen. Die Befragung erfolgt komplett digitalisiert, womit die einzelnen Angaben sowie die daraus resultierenden Ergebnisse dem medizinischen Personal in Echtzeit zur Verfügung stehen. Als eine der ersten Kliniken erfasst das Brustzentrum seit 2017 PROMs. Seit Herbst 2020 nutzen hier die Breast Care Nurses systematisch die erhobenen PROMs um gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen eingehen zu können.

Daniela Richner (Breast Care Nurse APN), Andrea Imgraben (Breast Care Nurse), Claudia Bender (Stv. Leiterin Onkologie Pflege)
 
  1. Was sind die Aufgabengebiete einer Breast Care Nurse?

DR: Als Breast Care Nurses sind wir niederschwellige Ansprechpersonen, welche die Frau während und nach der Behandlung begleiten. Wir bieten den Patientinnen einen «roten Faden» der Orientierung mit vielfältigen Unterstützungs- und Beratungsangeboten. Schulungen zur Wundbehandlung, der Umgang mit den Drainagen zu Hause, oder das Anpassen eines optimalen Büstenhalters sind Beispiele praxisbezogener Aufgaben. Sehr häufig sind wir aber auch beratend tätig: Wir unterstützen die Frauen, ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen oder vermitteln dem Bedarf entsprechende Angebote wie etwa den Kontakt zu Perückenfachgeschäften oder Achtsamkeitskurse. Daneben schulen wir intern das Pflegepersonal, halten Vorträge an externen Weiterbildungen und entwickeln unser Angebot laufend bedarfsgerecht weiter. Das Angebot unseres Frauencafés etwa haben wir gerade neu gestaltet, es findet nun 4x jährlich in Zusammenarbeit mit der Krebsliga statt.

AI: Die umfassende Betreuung der Frauen durch die Breast Care Nurses beginnt bereits bei der Erstdiagnose. Dank der kontinuierlichen Abstimmung mit den anderen Fachpersonen, u.a. mit dem Case Management, der Psychoonkologie, der Ernährungsberatung, der Physiotherapie und natürlich dem gesamten Team des Brustzentrums, gewährleisten wir eine koordinierte und personenzentrierte Begleitung. Während ihres stationären Aufenthaltes besuchen wir die Frauen täglich. Wir beraten und unterstützen sie, beispielsweise im Umgang mit dem veränderteren Körperbild oder bei gewissen Symptomen. Wir klären mit ihnen gemeinsam, ob sie eine psychoonkologische Unterstützung brauchen und leiten diese in die Wege. Die Nachbetreuung beginnt bereits vor dem Austritt aus dem Spital: Wir informieren das Team des Case Managements bzw. den Sozialdienst für den Fall, dass zu Hause noch ambulante Pflege oder Unterstützung im Haushalt benötigt wird. Nach dem Austritt kontaktieren wir die Patientinnen telefonisch, um zu hören, wie es ihnen geht und ob sie noch weitere Unterstützung oder Beratung brauchen. Damit keine Informationen verloren gehen und die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen der Pflege, den ÄrztInnen und allen weiteren an der Behandlung beteiligten Disziplinen gewährleistet ist, beteiligen wir uns an interprofessionellen/ interdisziplinären Besprechungen und Visiten.

  1. Wie erfolgt die Erfassung der PROMs im Brustzentrum?

DR: Die Erhebung der Daten erfolgt bei uns durch die ÄrztInnen. Beim stationären Eintritt erhalten die Patientinnen ein Tablet mit den für sie relevanten Fragen, durch welche sie sich sehr einfach durchklicken können. Die weiteren Befragungen erfolgen jeweils per E-Mail oder im Rahmen der ärztlichen Nachsorge via Tablet. Auf einem virtuellen Dashboard sind für uns dann die Ergebnisse ersichtlich.

  1. Wie fliessen die PROMs in Eure tägliche Arbeit mit ein?

AI: Zu Beginn wurden die gesammelten Angaben ausschliesslich von der Ärzteschaft genutzt. Wir haben uns dann gefragt: Welchen Nutzen haben die Daten für die Pflege durch die Breast Care Nurses? Seit Herbst 2020 schauen wir die PROMs Fragebogen aller Patientinnen regelmässig an. Wir sehen dort sehr einfach visuell mit Farben dargestellt, in welchen Bereichen die Betroffenen Mühe bekunden oder Einschränkungen, wie etwa Schlafstörungen haben. Erscheint ein Bereich rot (=Wert mit potentiellem Handlungsbedarf) melden wir uns telefonisch bei der Patientin und beraten sie. 

  1. Inwiefern haben PROMs Eure Arbeit verändert?

DR: Durch die PROMs erhalten wir wesentliche Informationen, wie es unseren Patientinnen in der Zeit der Nachsorge, wenn der direkte Patientenkontakt zu uns sonst eher selten ist, wirklich geht. So gelingt es uns, eine kontinuierlichere Begleitung sicherzustellen, Unterstützungsbedarf zu erkennen und gezielt auf Veränderungen zu reagieren.

  1. Worin liegt der Mehrwert von PROMs für Patientinnen?

AI: Die PROMs zeigen dem Behandlungsteam Langzeitfolgen verschiedener Therapieformen. Für die Patientinnen ist es wichtig, dass auf ihre Probleme individuell reagiert wird. Für die ÄrztInnen ist es häufig eine Herausforderung in der kurzen Zeit einer Sprechstunde alle relevanten Gesundheitsthemen anzusprechen. Durch das regelmässige prüfen der PROMS können wir mithelfen, etwaige Lücken abzudecken. Zudem sprechen die Frauen mit uns auch über Themen, welche sie ungern in der ärztlichen Konsultation vorbringen. Etwa die Sexualität oder wie mit den Kindern über die Erkrankung gesprochen werden kann. Oft fällt es den Frauen einfacher, solche Dinge mit einer Breast Care Nurse zu diskutieren. Wir können dort wo es erforderlich ist helfen das Unterstützungsnetz dichter zu weben, damit keine Frau «durch die Maschen» fällt.

  1. Worin liegt der Mehrwert von PROMs für Euch und Eure Arbeit?

DR: Wir denken, dass die PROMS auf verschiedenen Ebenen einen Mehrwert bringen. Zum einen profitieren die Patientinnen individuell, da wir persönlich auf Patientenebene reagieren. Übergeordnet helfen uns die Angaben den gesamten Patientenprozess zu analysieren. Wo können wir unser Angebot zum Beispiel noch optimieren? Zu welchen Herausforderungen brauchen die Patientinnen noch mehr Informationen? Auf unserer persönlichen Ebene machen uns die PROMs zufriedener. Durch die kontinuierliche Rückmeldung haben wir einen zusätzlichen Kanal auf welchem wir Informationen zum aktuellen Gesundheitszustand der Patientinnen erhalten. So wissen wir, wie es den Frauen geht und können kritische Themen frühzeitig angehen.

Patient Reported Outcome Measures, PROMs am Universitätsspital Basel

  • Aktuell bei 15 Krankheitsbildern im Einsatz
  • Kontinuierliche Implementierung in weiteren Kliniken 
  • Seit Einführung Ende 2017 bereits mehr als 3’500 Patientinnen/Patienten eingeschlossen

Internationale Standards in der PROMs-Erhebung

  • Orientierung an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. internationalen Empfehlungen (z.B. ICHOM) bei der Auswahl der Fragebogensets
  • Pionierarbeit im schweizweiten Vergleich 
  • Teilnahme an internationalen Kollaborationen