Sorgsam – Im Auge des Sturms

Die Intensivstation des Universitätsspitals Basel stand wohl noch nie so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit wie im Jahr 2020.  Aber was wären die hochinstallierten Beatmungsplätze ohne die Mitarbeitenden der Intensivstation, Sie bilden das Nadelöhr der Versorgung in der Pandemie. Die Arbeit hier war um Längen belastender, als sie das ohnehin immer ist. Und gemacht wurde sie auch so wie immer: ruhig, konzentriert, professionell und sorgsam. 

Die Intensivstation eines Universitätsspitals ist immer ein Ort, an dem es um Leben und Tod geht. Und an dem besonders hochqualifizierte Pflegende und Ärztinnen und Ärzte unter entsprechend hoher Anspannung arbeiten. In einem Pandemiejahr wie 2020 akzentuiert sich dies zusätzlich. Rein quantitativ wurden in der Intensivstation des Universitätsspitals Basel je nach Phase 10 bis 20 Prozent mehr Beatmungsplätze aufgebaut und betrieben, denn ein grosser Teil der Covid-19-Patientinnen und -Patienten müssen invasiv beatmet werden. Dies bedingt eine Bauchlage und einen hohen Personalschlüssel, um die Beatmeten regelmässig zu drehen. Die Notwendigkeit, sämtliche Arbeiten, ob an den Betten der Kranken, in den Gängen und Büros unter den jeweils angeordneten Schutzmassnahmen zu erledigen, kostete zusätzlich Kraft und Zeit. Entsprechend froh war man um die Verstärkung, die von Angehörigen der Armee, von Zivildienstleistenden und Mitarbeitenden aus der Anästhesie kam. Im Laufe der Pandemie konnte über das Gesundheitsdepartement auch immer wieder Verstärkung aus Privatspitälern angefordert werden. 

Die Intensivstationen der Schweiz arbeiteten eng zusammen. In der Anfangsphase der Pandemie eher informell, später unter dem Koordinierten Sanitätsdienst des Bundes und unter Mithilfe der Schweizerischen Rettungsflugwacht. Die regionale Koordination zwischen USB, KSBL und SCS wurde ganz offiziell dem Chefarzt der Intensivstation des Universitätsspitals Basel, Prof. Hans Pargger, übertragen. Doch auch in der nationalen Koordination kam dem Intensivmediziner eine wichtige Rolle zu. Dadurch, dass die Nordwestschweiz eine genügend hohe Anzahl Intensivbetten bereithält und nie zu den Gebieten mit den allerhöchsten Inzidenzen an Covid-19 gehörte, war es dem Universitätsspital Basel möglich, seine Hilfe grosszügig anzubieten. Die Helikopter der REGA flogen das Universitätsspital oft an und verlegten Patientinnen und Patienten aus anderen Kantonen, insbesondere der Nordwestschweiz und der französischen Schweiz, nach Basel. Aber auch den schwer getroffenen Gebieten im benachbarten Elsass konnte das Universitätsspital Basel beistehen und Patienten übernehmen. 

In der Pandemie erfüllten die Intensivmediziner und ihre Kolleginnen und Kollegen von den Notfallzentren in der Schweiz ihre Verantwortung, über weitreichende Fragen nachzudenken. So machte der Begriff «Triage» plötzlich in der Öffentlichkeit die Runde und die entsprechenden ethischen Grundlagen wurden geprüft und überarbeitet. Ein bis anhin eher theoretisches Gedankenspiel aus theoretischen Szenarien nahm plötzlich sehr viel realere Konturen an. Doch so weit kam es nie. Einerseits, weil das Notfallzentrum unter Prof. Roland Bingisser die Intensivstation und die nachgelagerten Kohortenstationen unter Prof. Stefano Bassetti jeweils an die herrschende Pandemielage angepasst wurden und mit enormem Einsatz arbeiteten. Und andererseits auch, weil die Region Basel mehr Glück hatte, als andere Gebiete Europas. Doch die Überlegungen mussten gemacht werden, insbesondere auch, um Unfallopfer und schwerkranke Menschen, die nicht an Covid-19 leiden, nicht zu benachteiligen. 

Das Notfallzentrum zeichnete in den ersten Monaten der Pandemie auch verantwortlich für den Betrieb des Test- und Triage-Centers TTC), das zunächst in den Räumen der Predigerkirche eingerichtet war. Die Christkatholische Gemeinde stellte dafür in gutnachbarschaftlicher Nächstenliebe ihre Kirche zur Verfügung. Im Frühsommer zog das TTC vorübergehend ins Klinikum 1, schliesslich in das neu eingebaute Testzentrum in der alten Schwimmhalle mit Zugang an der Schanzenstrasse. Die Leitung ging an Prof. Michael Mayr und sein Team von der Medizinischen Poliklinik über. Auch hier brauchte es die sorgsame Planung aus dem Ressort Immobilien und die tatkräftigen und flinken Hände zahlreicher Mitarbeitenden des Bereichs Betrieb und des Sicherheitsdienstes für die Instandsetzung. 

Überhaupt brachte die Pandemie für all jene eine Menge neuer und ständiger Herausforderungen mit sich, die die Arbeit des Kerngeschäfts ermöglichen. Insbesondere die Beschaffung von Schutzmaterial, von zusätzlichen Beatmungsgeräten und von Sauerstoff waren Thema. Sie beschäftigten das Universitätsspital Basel genauso wie andere Spitäler. Der Bereich Betrieb, unter der Leitung von Sieglinde Breinbauer, sah sich hier – und an vielen anderen Orten – stark gefordert. Bereits im Frühsommer erfolgte der Einbau eines zweiten Sauerstofftanks im Spitalgarten. Dies, um einerseits höhere Lagerkapazitäten zu haben, vor allem aber, um den Druck in den Leitungen gleichmässiger zu verteilen, da plötzlich an mehr Orten im Spital Beatmungsplätze eingerichtet werden mussten. Die Pandemiebekämpfung zeigte allen einmal mehr auf, dass ein Spital nur dann funktioniert, wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten, sorgsam planen und mutig und verantwortungsbewusst handeln.